Symbol Navigation Inhalt 1990

Drucken
Downnoad
Teil 2 Rechts
Quatember


Der Christus-Rosenkranz
von Rudolf Ehrat

(Seite 1 von 2)


Schon in den Sechziger Jahren hat es in der Michaelsbruderschaft Bemühungen gegeben um die Wiedergewinnung einer meditativen Gebetsweise. Es war vorab Paul Rohleder, der Hausvater von Kloster Kirchberg, der versuchte, mit für solches Beten hilfreichen Elementen eine Gebetsform anzubieten, die auch von evangelischen Christen aufgenommen werden könnte. So schenkte er uns sein "Kranzgebet", das er im Untertitel bezeichnete als "eine Anleitung zu biblischer Gebetsandacht für den einzelnen und für die Gemeinde". Es sollte eine Hilfe sein zum verweilenden, betenden Betrachten ausgewählter biblischer Inhalte, etwa der Seligpreisungen oder der johanneischen lch-bin-Worte Jesu. Paul Rohleder hat des öftern mit uns das Kranzgebet gebetet. Wer sich in diese Übung hineingab, empfand ein starkes Geborgensein dank diesem einen, in sich geschlossenen, begrenzten Gedankenkreis, der durch das biblische Thema gegeben war. Doch, obwohl gewisse Gebetsrufe sich mehrmals wiederholten, blieb das Kranzgebet noch zu sehr dem Gedanklichen verhaftet. Es mangelte ihm dieses ganz Einfache, das unserem Herzschlag oder auch unserem Atem eigen ist: Wir atmen in unablässiger rhythmischer Wiederholung, und unser Herz schlägt unablässig gleich. Nicht das Vielerlei und nicht der sichtende und planende Verstand führen uns in den Raum meditativen Betens, sondern das ganz Einfache und stets sich Wiederholende. Wir mußten immer deutlicher gerade diese Qualität des liebenden Verweilens dem marianischen Rosenkranzbeten unserer katholischen Mitchristen zuerkennen, Wie die Liebe immerzu das gleiche sagt und sich doch nie wiederholt, erschien mir dieses katholische Beten, das ich besonders eindrücklich und mit immer größerem Staunen vor vielen Jahren bei einer sechsundachtzigjährigen Walliser Bäuerin miterlebte, die jeden Nachmittag für ihre an Krebs erkrankte Tochter alle drei Geheimnisreihen des Rosenkranzes betete. Aber wir Evangelischen, wir konnten dieses marianische Gebet nicht einfach übernehmen.



Für Menschen, die nicht in dieser Übung aufgewachsen und durch sie geprägt worden sind, ist dieses katholische Gebet nicht zugänglich wegen der das ganze Gebet bestimmenden Einkleidung der Betrachtung des Heilandslebens in die stets sich wiederholende Anrede an Maria. Abgesehen von der theologischen Frage, ob es sinnvoll und möglich ist, Maria als von Gott begnadeten Menschen, aber eben doch als Menschen, nicht nur verehrend zu grüßen, sondern immer wieder betend anzurufen, erscheint es doch, auch wenn man das noch vermöchte, nicht angemessen, in einer Gebetsfolge sich zehnmal an Maria zu wenden, während man jeweils nur einmal nach Jesu Weisung zum Vater im Himmel betet. Dieses unangemessene Verhältnis verschließt denen den Zugang zu dieser Gebetsart, für die die Mitte ihres Glaubens und Vertrauens Jesus Christus ist. Zwar vermag ein Hans Urs von Balthasar in seinem Büchlein ''Der dreifache Kranz'' dieses Hindernis mit tiefen und sehr schönen, weisen Gedanken zu überwinden; doch bleibt eben beim Beten, bei dem, was der Mund sagt und singt, die Diskrepanz bestehen, da ja in die Stunde des verweilenden Betens nicht all diese hohen Reflexionen mit hineingenommen werden können noch sollen.

Es verhält sich bei diesem meditativen Beten ganz gleich wie beim Singen, wie wir es in vorzüglicher Weise in Taizé erleben und lernen dürfen. Frère Roger sagt davon: "'Nichts trägt ein persönliches inneres Leben, selbst auch in den Wüstenzonen, so stark wie ein weit ausladendes gemeinsames Gebet, meditativ und jedem Alter zugänglich. Ein Gebet, das seinen Höhepunkt in Gesängen findet, die kein Ende nehmen und in dir weiterklingen, wenn du wieder allein bist."

Und welches ist nun dieser Gesang, diese Melodie beim Rosenkranzgebet, die weiterklingt in mir, auch wenn ich vom Gebet aufstehe und die Alltagsgeschäfte mich wieder einfangen? Diese Melodie, die tief in mich eindringt und in mich hineinsinkt, das ist der Rahmenvers - im marianischen Rosenkranz eben der 10malige Anruf und Bittruf an Maria.



Und so haben wir denn, Herben Golzen, Walter Stökl und ich, an eben diesem Punkt angesetzt, wie wir doch nicht lassen wollten vom Versuch, ein Kranz-Gebet zu schaffen, das wir in biblischer Treue und ökumenischer Offenheit allen Christen anbieten könnten. Ja, wir wollten ganz beim seit Jahrhunderten erprobten und bewährten Aufbau des Rosenkranzes bleiben, sogar beim Namen Rosenkranz, der alle in den Jahrhunderten mit frommer Andacht gefüllten Räume erschließt und auch gleich deutlich erkennen läßt, daß es hierbei um ein verweilendes, wiederholendes Beten geht. Aber der eine Name, den wollten wir voranstellen: Christus-Rosenkranz sollte das Gebet heißen, und die 150mal wiederkehrende Melodie sollte nun deutlich auf seinen Namen gestimmt sein. Und so saßen wir denn gar oft zusammen in Herben Goltzens Stube in Weißensee bei Füssen, und wir erwogen hin und her, schon fast jedes Wort dieses Rahmenverses, der nun lautet:

GEPRIESEN SEI DER HERR DER ALLMÄCHTIGE UND BARMHERZIGE GOTTES UND MARIEN SOHN

(es folgt der Geheimnis-Satz und darauf der Abschluß-Rahmenvers:)

WIR BETEN DICH AN HERR JESU CHRISTE UND BENEDEIEN DICH.
IN DEINEM HEILIGEN KREUZ HAST DU DIE WELT ERLÖST.

Wir haben uns dabei nicht gescheut, uns beim Eingangsvers für eine sehr verbundene, beziehungs- und bedeutungsreiche Formulierung zu entscheiden, die sowohl auf das Geheimnis der Trinität wie der Inkarnation hinweist. Und daß wir das wenigstens noch aus Weihnachtsliedern bekannte, klangschöne 'Benedeien' beibehalten durften, war uns gewiß, sowohl des Wortrhythmus wegen wie auch wegen seiner Nähe zum hebräischen beracha und dem griechischen eulogein. Und sehr bedeutsam wurde uns, daß wir in der vierten Zeile das ''denn durch dein heiliges Kreuz'' ersetzten mit dem einfachen ''in deinem heiligen Kreuz''. Wir versuchten damit wegzukommen von kausalem Denken, hin zu einem fortwirkenden Geschehen.


© Joachim Januschek
Letzte Änderung: 01-06-11
Haftungsausschluss
TOP Kirchberg