Symbol Navigation Inhalt 1990

Drucken
Downnoad
Links Teil 1
Quatember


Der Christus-Rosenkranz
von Rudolf Ehrat

(Seite 2 von 2)


Nicht minder wichtig waren uns bei unseren Beratungen und dann bei allem betenden Üben der einmal gefundenen Formulierungen die Geheimnissätze. Geheimnissätze heißen jene zwischen die beiden Rahmenverse eingeschobenen Sätze, die ein Ereignis des Heilsmysteriums in Christus nennen. Nachdem wir im einleitenden Rahmenvers Christus lobpreisend bei seinem Namen gerufen haben, nennen wir in dem Betrachtungssatz, was ER für uns ist und für uns tut:

"DER BEI UNS SEIN WILL BIS ANS ENDE DER WELT"
"DER DA THRONT ZUR RECHTEN DES VATERS""
"DER SEINE KIRCHE LEITET DURCH DEN HEILIGEN GEIST"
"DER UNSERN HUNGER STILLT MIT DEM BROT DES LEBENS"
"DER UNS RUFEN WIRD ZUM HIMMLISCHEN FREUDENMAHL"

Jedes dieser "Bilder" seiner helfenden, heilenden, erlösenden Liebe steht so lange vor unserem inneren Blick, wie die zehnfache Wiederholung des Betrachtungsgebetes dauert. Wir legen im Christus-Rosenkranz acht solcher Geheimnisreihen vor, acht sogenannte 'Gesätze'. Vier dieser Reihen folgen der Botschaft, wie sie uns im Laufe des Kirchenjahres erreichen will und nennen in der Überschrift das jeweilig zur Betrachtung angedeutete Geheimnis:

"DIE MENSCHWERDUNG DES HERRN"
"DER LEIDENDE HERR"
"DER AUFERSTANDENE HERR"
"DER ERHÖHTE HERR".

Die vier weiteren Geheimnisreihen stellen uns hinein in "die eine heilige Kirche - die Gemeinschaft der Heiligen" und tragen die folgenden Überschriften:

"DER HERR DER KIRCHE" (oben ausgeführt)
"DER DIENST DER ENGEL"
"DIE MUTTER DES HERRN"
"DIE WOLKE DER ZEUGEN".



Natürlich könnten zahlreiche weitere Reihen von Betrachtungspunkten zusammengestellt werden. Romano Guardini hat so für das ganze Kirchenjahr aus den Evangelien und Episteln eine Fülle solcher Reihen von je fünf Betrachtungspunkten vorgeschlagen. Wir meinen jedoch, daß wir nicht zu viele wechselnde Inhalte suchen sollten. Das Rosenkranz-Gebet hat nicht das Ziel, viele biblische oder dogmatische Inhalte einzuprägen. Seine hilfreiche Kraft erweist sich darin, daß uns wenige, grundlegende Wirklichkeiten Seines Wirkens und unseres Heils gegenwärtig werden, daß wir uns in Seine Gegenwart hineinbergen. Wir halten es deshalb auch für hilfreich, wenn im Gebetsvollzug der Geheimnissatz nur vom Vorbeter gesprochen wird, hinein in die Stille der mitbetenden Gemeinschaft. Damit ist es auch nur für den Vorbeter nötig, die schriftliche Vorlage bei sich zu haben, denn alle anderen Stücke sind allermeist 'par coeur' bekannt.

Die Vorlage zum Christus-Rosenkranz liegt übrigens gedruckt vor. Walter Egli hat uns die Gebetsordnung auf einem Faltblatt und die acht Gesätze auf einem Einlegeblatt sehr schön geschrieben und als Hilfe die fünf Rosenbäume mit den 10 Knospen als Hintergrund dazugezeichnet. Und eine weitere Hilfe, aber auch wieder nur für den oder die zwei Vorbeter gedacht: natürlich die Perlenschnur. Sie dient der gesammelten Ausführung des Gebetes selbst. Die Gebetsschnur hilft mit ihren großen und kleinen Perlen, die Abfolge und die Zahl der einzelnen Gebete abzumessen. Die Finger, die nacheinander die Perlen abtasten, nehmen dem Bewußtsein die ablenkende Mühe ab, die Gebete zählen zu müssen.



Das meditative, verweilende Beten will gelernt sein. Es gelingt demjenigen leichter, sich in diese Gebetsübung einzulassen, der in meditativer Stille gelernt hat, loszulassen und vom zweckgerichteten, diskursiven Denken loszukommen. Hier soll nicht reflektiert werden; hier sind wir eingeladen, uns vor Gott ganz zu lassen und IHM in seinen Wundern Liebes, dauernd wiederholend, zu sagen. Damit ist es auch völlig klar, daß es hier niemals um eine Pensumerfüllung geht, niemals mit der Quantität der Gebete gerechnet wird, sondern nur das eine wirklich werden will: der Lobpreis, die Anbetung. Daß solches laut werden möge in unseren Karnmern und evangelischen Kirchen, dafür steht uns das Angebot des Christus-Rosenkranzes.

Und weil ein Sich-Hineinfinden in das verweilende, meditative Beten uns Evangelischen leichter fällt in der Gemeinschaft, künden wir auch eine Einübungswoche in das Beten des Christus-Rosenkranzes an, für die Zeit vom 25, bis 30. September 1990 in Kloster Kirchberg.

Bei all den Bemühungen um das Kranzgebet dachte ich immer wieder besonders an zwei neutestamentliche Stellen: jene eine, wo uns erzählt wird von dem einen Freund, der dem anderen willfährt "um seines unverschämten Geilens willen" (Lukas 1 1,8), und dann an jene demütig-zuversichtliche Aussage des Apostels, wo er im Römerbrief schreibt: "Wir wissen nicht, was wir beten sollen ...; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen" (Römer 8,26). So ausgespannt vor Gott im andringenden Flehen und in ganz auf IHN selbst angewiesener Schwachheit - so ist unsere Lage als Betende, auch als Betende mit dem Christus-Rosenkranz.

© Rudolf Ehrat
in: Quatember 1990, S. 86 - 90


© Joachim Januschek
Letzte Änderung: 01-06-11
Haftungsausschluss
TOP Kirchberg