|
|
Inhalt 1996 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 |
|
|
|
I. Zur Biographie Stählins und zur Genese seines theologischen Denkens II. Die Bedeutung der Jugendbewegung für seine Biographie und Theologie III. Im Kirchenkampf I. Zur Biographie Stählins und zur Genese seines theologischen Denkens2 Wilhelm Stählin: Sohn eines früh verstorbenen Pfarrers und Missionars aus dem Bayrisch-Schwäbischen, in Gunzenhausen geboren am 24.9.1883, 92jährig am 16.12.1975 in Prien am Chiemsee gestorben. Seine biographischen Daten machen schon deutlich, er gehört jener Theologengeneration an, die, vor der Jahrhundertwende geboren, am Anfang des 20. Jahrhunderts Theologie studierte, bewußt am eigenen Leibe die Katastrophe des Ersten Weltkrieges und des darauffolgenden Umbruchs erlebt, theologisch geprägt durch die entsprechenden geistigen, politischen und gesellschaftlichen Ideologien "Zwischen den Zeiten". Was folgt, war der Untergang der Weimarer Republik und das Heraufziehen des Hitlerfaschismus, dem - kaum zu entwirrende - konservative, nationalistische und völkische und antisemitische Ideologien vorgearbeitet hatten. Beim Zusammenbruch des "Dritten Reiches" im Mai 1945, war Stählin, schon im sechsten Jahrzehnt seines Lebens, Professor für Praktische Theologie in Münster; er folgte bald dem Ruf auf den Bischofsstuhl der Oldenburger Kirche. Dieser zeitgeschichtliche Umbruch bedeutete insgesamt gesehen nie den Impuls für sein Leben und Denken, den die Jahre 1917-1924 darstellen. Das ergibt die Analyse seiner Texte von den frühen Schriften der Religionspsychologie bis hin zur Schrift "Bruderschaft" aus dem Jahre 1940. Die Übersicht3 zeigt prominente Theologen dieser Zeit, wie Barth, Tillich, Bonhoeffer, aber auch Bultmann und Althaus, Zeitgenossen; die engste Beziehung ergab sich zu Paul Tillich. Er arbeitet mit am Berneuchener Buch, ist beteiligt an den Gesprächen zur Reform der Kirche in den Jahren 1925 bis 1930, doch dann trennen sich die Wege. Tillich: "Ich schloß mich der sogenannten 'Berneuchener Bewegung' an, die, geführt von Wilhelm Stählin und Karl Ritter, am meisten von allen Reformgruppen der damaligen Zeit auf Allseitigkeit der Reform drängte und sich nicht auf das Kultische beschränkte. Vor allem suchte sie ein klar durchdachtes theologisches Fundament und gab mir dadurch die Möglichkeit fruchtbarer theologischer Arbeitsgemeinschaft."4 Letztlich aber hatte Tillich dann doch den Eindruck, Berneuchen entwickle sich, nicht zuletzt im Angesicht der Bedrohung durch die politische Romantik des Faschismus, in eine kultische Engführung: "Könnte es nicht sein", so eine kritische Anfrage 1930, nach dem letzten Gespräch über das Thema "Kirche und humanistische Gesellschaft", "daß das Gefühl, daß wir als liturgische Bewegung betrachtet werden, davon kommt, daß wir nicht ernst genug aus der Gesamtlage heraus handeln? ... Das ist meine ganze Kritik: Breite und Aggressivität unserer Arbeit ist nicht ausreichend."5 | |
| 1: | Vortrag vom 27.9.1995 in Hofgeismar, um das Thema "Berneuchener Gespräch" gekürzt. |
| 2: | S. dazu insgesamt: Hans E. Kellner: Das Theologische Denken Wilhelm Stählins. Frankfurt/M.,1991. |
| 3: | 1901-1905:Theologiestudium in Erlangen, Rostock und Berlin; u.a. bei Harnack und Pfleiderer. 1905-1913:Vikars- und Licentiatszeit in der Nähe Nürnbergs 1908 England-Studienreise, danach Studium der Psychologie bei Oswald Külpe/Würzburg, 1913 abgeschlossen mit Dissertation zur Sprachpsychologie der Metapher. 1914: Gründung der "Gesellschaft für Religionspsychologie", Herausgabe des "Archiv für Rps." bis 1921. 1914-1917: Feldgeistlicher, Kontakte zu Wandervogelgruppen innerhalb des Heeresabschnitts im Osten. Aktivitäten setzen sich fort: 1919 in der Gründung des Jungdeutschen Bundes, Teilnahme an den Hohenecker Konferenzen, Leiter des Bundes Deutscher Jugendvereine (BDJ) 1922-1932. 1917-1926:2. Pfarrstelle an St. Lorenz/Nürnberg, Zusammenarbeit mit Friedrich Rittelmeyer und Christian Geyer, Einsatz für die Gruppe der "Freier Gerichteten" innerhalb der Luth. Landeskirche Bayerns. 1926-1945 Ordentl. Professor für Praktische Theologie in Münster/W. 1931 Gründung der Ev. Michaelsbruderschaft in Marburg/L., hervorgegangen aus der "Berneuchener Bewegung" seit 1923. Langjährige Freundschaft mit Karl Bernhard Ritter. 1925-1930:Teilnahme Paul Tillichs an den Berneuchener Konferenzen. 1926 gemeinsame Veröffentlichung des "Berneuchener Buches". 1925 Teilnehmer an der Stockholmer ökumenischen Weltkirchenkonferenz. Mitarbeit in der deutschen ökumenischen Bewegung, in der Berliner Mittelstelle für ökumenische Jugendarbeit gemeinsam mit Dietrich Bonhoeffer. 1934-1941: Mitglied des Pfarrernotbundes und der Bekennenden Kirche. Die Jahre davor kirchenpolitisch in Berneuchen tätig in der "Jungevangelischen" und dann der "Jungreformatorischen Bewegung". 1941:Austritt wegen Differenzen zur Barmer Theologischen Erklärung und Distanzierung von Theologen wie Bonhoeffer und Barth. 1945-1952: Bischof der evangelischen Kirche Oldenburgs. 1946: Gründung des Theol. Konvents Augsburger Konfession und des ökumenischen Arbeitskreises ev. und kath. Theologen gemeinsam mit Erzbischof Lorenz/Paderborn. 1952-1975: Ruhestand, Vortragsreisen, Beiträge zum Berneuchener Schrifttum Sammelbände "Symbolon". |
| 4: | Paul Tillich: Gesammelte Werke (GW) Bd. XII, Stuttgart, 1971, S. 44. |
| 5: | Protokoll der Berneuchener Konferenz 1930 in Pätzig. Ebd.. S.11; s. auch GW IX, Stuttgart,1971, S.69 ff. |
| 6: | P Tillich. GW. Bd XIII, Stuttgart, 1972, S. 555. |
| 7: | Karl Barth: Gesamtausgabe. Briefwechsel 1922-1966. Barth-Bultmann. Zürich,1971, S.73. |
| 8: | P. Tillich GW, Bd. XII, S.192; Berneuchener Buch. Vom Anspruch des Evangeliums auf die Kirchen der Reformation. Darmstadt,1978 (Erstveröffentl. Hamburg,1926). |
| 9: | K. Barth: Gesamtausgabe, Briefwechsel Barth-Bultmann. S. 87. |
| 10: | Ebd.,S.405. |
| 11: | Adolf Köberle: Wilhelm Stählin. In: Hans-Joachim Schultz: Tendenzen der Theologie im 20. Jahrhundert. Stuttgart, o.J., S 233. |
| 12: | Ebd.,S.235. |
| 13: | Reinhard Mumm in: In memoriam Wilhelm Stählin. Sonderdruck des Berneuchener Dienstes.1976, S.23. |
| © Joachim Januschek Letzte Änderung: 00-01-29 Haftungsausschluss |