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Inhalt 1998 |
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EINLEITUNG Ich möchte an unsere evangelischen Brüder und Schwestern die Frage richten: Liegt hier nicht eine Nähe zur Rechtfertigungslehre von Martin Luther vor? Er hatte ja in seinem »Turmerlebnis« die Entdeckung gemacht, daß die Rechtfertigung (wir Katholiken sprechen meist von Erlösung) nicht das Ergebnis unserer Anstrengungen, Verdienste und guten Werke ist, sondern ein Geschenk von IHM. Das ist übrigens eine genuin katholische Lehre, die im späten Mittelalter infolge der Überwucherung mit Heiligenverehrung, Reliquienkult, Wallfahrten, Ablässen und Anhäufung von Messen verdunkelt worden war. Luther hat die Hauptsache wieder zur Hauptsache gemacht und die Erlösungstat Christi wieder in die Mitte gestellt. Daß diese Schweigemeditation keine Methode für Selbsterlösung ist, habe ich meinem Lehrer, Graf Dürckheim, einmal an einer Kerze demonstriert. Die Kerze ist zwar zum Brennen geschaffen, aber sie kann sich nicht selbst entzünden. Dazu muß ein Eingriff von außen erfolgen. So ist es auch bei uns Menschen. Wir können uns nicht selbst erlösen, oder - um das Modewort zu gebrauchen - selbst verwirklichen. Auch hier muß ein Eingriff von außen, nämlich aus der göttlichen Dimension, erfolgen. Die Praxis der Meditation hat eine eminent wichtige Bedeutung für die Ökumene. Im gemeinsamen Schweigen in der Gegenwart Gottes kommen wir einander näher als in vielen theologischen Erörterungen und Diskussionen. Das kann ich aus der Erfahrung einer fast 30jährigen Kursarbeit bezeugen. über 20 evangelische Pfarrkonvente durfte ich in diese Praxis einführen. DIE WIEDERENTDECKUNG DES FASTENS ÖKUMENISCHE WÜNSCHE Die Teilnahme von Katholiken an den Kirchberger Veranstaltungen wird vermutlich erschwert durch die noch nicht erreichte Abendmahlsgemeinschaft. Bei der Feier der Evangelischen Messe in Kirchberg gerät der Katholik in einen Konflikt. Einerseits möchte er gerne am Empfang der Eucharistie teilnehmen. Andererseits hat er Bedenken wegen der noch nicht erreichten Einigung in der Amtsfrage. Könnte da nicht der Weg beschritten werden, den skandinavische Lutheraner beim Besuch des Papstes in ihren Ländern vor etlichen Jahren gefunden haben? Bei der Austeilung der Kommunion traten sie mit ihren katholischen (Ehe) Partnern vor und legten, während diese kommunizierten, eine Hand auf deren Schulter. Andere nichtkatholische Teilnehmer traten vor, legten ihre gefalteten Hände auf den Mund und erbaten so den Segen mit der Hostie. Auf diese Weite bekundeten sie einerseits ihr Verlangen nach der eucharistischen Gabe, andererseits aber auch ihre Respektierung der noch nicht gegebenen Abendmahlsgemeinschaft. Könnte den katholischen Besuchern in Kirchberg nicht in dieser Weise eine Teilnahme angeboten werden? In Neresheim hat sich bei den internen Eucharistiefeiern folgender Brauch bewährt. Da bei unseren Kursen viele evangelische Christen teilnehmen und auch solche, die aus der Kirche ausgetreten oder nicht getauft sind, wird hinsichtlich der Teilnahme an der Kommunion gesagt, daß diejenigen, die an die reale Präsenz des Herrn in Brot und Wein glauben, willkommen sind. Es ist dies eine Gewissenssache (wenngleich keine reine Privatsache). Für diejenigen, die aus irgendeinem Grund nicht zur Kommunion gehen (z.B. auch Katholiken, die geschieden und wiederverheiratet sind), wird nach der Austeilung der Kommunion etwas Wein oder Brot gesegnet und angeboten. Dieser Brauch wurde von der Ostkirche angeregt, wo ja am Schluß der Göttlichen Liturgie allen gesegnetes Brot ausgeteilt wird, die sogenannten Eulogien. Es dürfte dies ein Rest des frühchristlichen Agapemahles sein, das sich an die Eucharistiefeier anschloß. Auf diese Weise haben wir alle Teilnehmer zufriedenstellen können unter voller Respektierung der Gewissen. Für QUATEMBER hätte ich den Wunsch, daß auch auf wichtige katholische Veröffentlichungen hin und wieder aufmerksam gemacht würde. Die protestantische Gepflogenheit »catholica non leguntur« (Katholisches wird nicht gelesen) dürfte ja für die Michaelsbruderschaft nicht gelten. Auch könnten christliche Glaubenszeugen aus unserer Zeit vorgestellt werden. »Worte belehren - Beispiele reißen mit« gilt heute angesichts der Inflation an Gedachtem immer noch. Ich kenne keine bewegenderen und stärkenderen Glaubenszeugnisse als die Abschiedsbriefe und Tagebuchaufzeichnungen, die Gollwitzer in dem Büchlein »Du hat mich heimgesucht bei Nacht« herausgegeben hat. Das Gedächtnis und Vermächtnis der Blutzeugen aus der NS-Zeit sollte in Ehren gehalten werden. »Es gibt nichts Lebendigeres als einen toten Heiligen« las ich irgendwo. Mit diesem Beitrag möchte ich die Verbundenheit zwischen Kirchberg und Neresheim bekräftigen. Wird in Kirchberg am Donnerstag noch die Ökumene-Kerze angezündet? Ich habe vor vielen Jahren die Anregung dazu gegeben, die wir in Neresheim von Niederaltaich übernommen haben. Bei uns brennt diese Kerze donnerstags den ganzen Tag über vor dem Hochaltar und erinnert uns an das Gebet Jesu am Gründonnerstag: »Vater gib, daß alle, die an mich glauben, eins seien ... damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast!« © Pater Beda Müller (* 1914).Seit 1935 Benediktiner in Neresheim, leitet Kurse mit den Schwerpunkten Ökumene und Meditation. |
| © Joachim Januschek Letzte Änderung: 99-06-25 Haftungsausschluss |