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Inhalt 1998 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 |
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EINLEITUNG Beschäftigt man sich näher mit der Geschichte und dem Anliegen der EMB, dann wird sehr schnell deutlich, wie groß die Fülle des anliegenden Stoffes ist, welche Strömungen und Richtungen kirchlicher, gesellschaftlicher und politischer Art zu bedenken sind, will man der Aufgabe gerecht werden. Es ist daher notwendig, zunächst das Umfeld ein wenig abzustecken, Eingrenzungen vorzunehmen, wenigstens hinzuweisen auf Fakten, auf Zeiterscheinungen und geschichtliche Zusammenhänge, die zwar nicht ausführlich zu behandeln möglich aber wenigstens zu benennen sind, um die EMB in ihre Zeit einordnen und besser verstehen zu können. Ich nenne drei Punkte: MARTYRIA - LEITURGIA - DIAKONIA Oskar Planck (1888 - 1970), der erste Hausvater in Kirchberg ab 1958, hat diesen Weg in dem Buch der Bruder- und Schwesternschaften »Frei für Gott und die Menschen« anschaulich beschrieben 1, und das »Berneuchener Buch« dokumentiert eindrucksvoll Anliegen und Ausgangsposition dieser ersten Zeit 2. Dabei entwickelte sich diese Bewegung immer klarer zur Kirche und ihrer liturgischen Tradition hin, die sie jedoch nicht einfach restaurativ sondern in schöpferischer Neugestaltung aufnahm. 3 Wichtig zu sehen ist, daß die Erneuerung der Liturgie zwar von Anfang an eine wichtige Rolle spielte, aber immer eingebettet war in das Ganze einer christlichen Lebensgestaltung. Wilhelm Stählin beschreibt dies in seiner Veröffentlichung »Berneuchen. Unser Kampf und Dienst für die Kirche« (1937), in der er gleichsam Rechenschaft gibt über die gesamte Berneuchener Arbeit, folgendermaßen: »Wenn ich die entscheidende Erkenntnis, die uns auf diesem Weg geschenkt worden ist, auf eine theologische Formel bringen soll, so ist es etwa diese: die Kirche ist eine leibhafte Wirklichkeit in dieser Welt. Alle Bilder, in denen das Neue Testament von der Kirche Jesu Christi redet, deuten auf einen Lebensvorgang, der durch den Geist Gottes erweckt und durch menschlichen Dienst verwirklicht wird. Alle solche Verwirklichung der Kirche geschieht aber in drei Formbereichen, sozusagen auf drei Ebenen gleichzeitig: in Verkündigung, Unterweisung und Lehre; in Gebet, Kultus und Sakrament; in der Ordnung des gemeinsamen Lebens (wozu dann ebenso die tätige Liebe der Einzelnen und der Gemeinde wie die Verfassung und rechte Leitung des Ganzen gehört).« 4 Es ist die Dreiheit und Einheit von Martyria, Leiturgia und Diakonia 5. Mit dieser Ganzheit christlicher Lebensgestaltung, in die alles gottesdienstliche Tun eingebettet sein soll, ist bereits ein wesentliches Charakteristikum genannt. Und zur Kennzeichnung der praktischen liturgischen Arbeit schreibt Wilhelm Stählin in der eben zitierten Schrift weiter: »Keine unserer liturgischen Ordnungen ist am Schreibtisch ausgedacht, sondern sie wollen als Regel festhalten und anderen darbieten, was im kultischen Gebrauch, im Gebet am Altar, erprobt und bewährt ist. Sie alle sind, das ist das zweite, streng kirchlich gemeint; das heißt: sie sind bestimmt für den Gottesdienst der betenden Gemeinde und wollen, soweit sie von dem Einzelnen gebraucht werden, ihm dazu helfen, sich in die Ordnung der Kirche hineinzustellen und in seinem Gebet mit der Kirche zu leben. Sie möchten aller subjektiven Auflösung kirchlicher Ordnung wehren; sie vermeiden darum alles bloß persönlich Erbauliche; sie wollen auch nicht, wie Kritiker immer wieder argwöhnen, im ästhetischen Sinn 'schön' sein, sondern sie versuchen, das objektive Geschehen des kirchlichen Betens und Handelns sachlich richtig und in einer angemessenen Form auszusprechen. Sie glauben sowohl der Kirche wie dem einzelnen Christen den größten Dienst zu leisten, wenn sie in strenger Sachlichkeit und in einer von der Sache her gebundenen Sprache Ausdruck und Hilfsmittel kirchlicher Ordnung sind.« 6
IN DER KIRCHE - FÜR DIE KIRCHE Ja, man muß den Rahmen noch weiter stecken. Die Ära des 19. Jahrhunderts mit ihrem "Kulturprotestantismus", der theologisch und kirchlich vor allem durch Friedrich Schleiermacher geprägt war und Kirche und Gesellschaft bestimmte, war zu Ende und bedeutete neue Herausforderungen. In diesem Zusammenhang ergibt sich eine interessante Beobachtung im Blick auf die sogenannte "ältere liturgische Bewegung" um die Jahrhundertwende in Straßburg. Auch den beiden Hauptinitiatoren dort Friedrich Spitta (1852 - 1924) und Julius Smend (1857 - 1930) ging es wie den späteren Gruppierungen der sogenannten "jüngeren liturgischen Bewegung" in den zwanziger Jahren um die Erneuerung des Gottesdienstes, um seine zentrale Bedeutung und vor allem um die Ganzheitserfahrung darin (auch dies ist ein gemeinsames Anliegen). Aber das Schöngeistige, das Erlebnis, das Subjektive und die Ästhetik erfahren in beiden Bewegungen eine grundverschiedenen Bewertung. Verstehen läßt sich diese Kluft - und damit auch die vorhin zitierten, fast schroffen Sätze Wilhelm Stählins - nur von der beschriebenen neuen Situation her, wie sie nach dem ersten Weltkrieg gegeben war. Es muß allerdings dahingestellt bleiben, ob die scharfe Verurteilung der Ästhetisierung des gottesdienstlichen Geschehens und die leidenschaftliche Verteidigung des Objektiven nicht zu zeitbedingt waren und damit als zu einseitig anzusehen sind. Im Zuge gewandelter Einsichten hat auch die "ältere liturgische Bewegung" heute wieder eine neue Bewertung erfahren. 7 Festzustellen bleibt, daß die EMB in den großen geistlichen Auseinandersetzungen der zwanziger und dreißiger Jahre - man muß ja dabei auch die Zeit des Kirchenkampfes bedenken - sich bewußt und entschieden in die Kirche hineingestellt hat und ihr mit ihren Ordnungen und Hilfen dienen wollte. Die Urkunde von 1931 und die Regel von 1937 sind dafür ein eindeutiges Zeugnis. In beiden Dokumenten lautet der Hauptsatz: »Wir können an der Kirche nur bauen, wenn wir selber Kirche sind.« 8
LITURGISCHE ERNEUERUNG Da entsteht die »Hochkirchliche Vereinigung« unter dem Marburger Theologen Friedrich Heiler (begründet 1918), der eine evangelische Katholizität vertritt und dessen liturgische Arbeit stark von römisch-katholischen, aber auch anglikanischen und orthodoxen Einflüssen geprägt ist. Sakramentale Frömmigkeit und geistliche Übungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Einzelbeichte und die Bedeutung der apostolischen Sukzession. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang aber auch eine Reihe von Privatagenden, deren Hauptanliegen darin bestand, eine große Zahl von zeitgemäßen Gebeten verbunden mit passenden Bibelworten für die Feste und Feiertage und dann (in einem zweiten Teil) nach Themen und Anlässen geordnet für die Sonntage anzubieten, um mit einer solchen "Thema - Einheit" des Gottesdienstes dem modernen Menschen entgegenzukommen. Am bekanntesten ist wohl das dreibändige »Evangelische Kirchenbuch« von Karl Arper und Alfred Zillessen geworden, das zwischen 1910 und 1940 sieben Auflagen erreicht und eine weite Verbreitung gefunden hat. 10 Schließlich muß die Kirchliche Arbeit Alpirsbach genannt werden , die ab 1933 Kirchliche Wochen in Alpirsbach (Schwarzwald) und an anderen Orten regelmäßig veranstaltet hat und bis heute durchführt. Richard Gölz und dann vor allem Friedrich Buchholz waren die treibenden Kräfte. Die Eigenart dieser kirchlichen Wochen besteht in der Verbindung von theologischem Studium, wobei die dialektische Theologie Karl Barths von Anfang an bestimmend war, und einer gründlichen Beschäftigung mit der Gregorianik, die durch Evangelische Messe und Stundengebet den Tageslauf prägt. 11
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