EINLEITUNG
- MARTYRIA - LEITURGIA - DIAKONIA
- IN DER KIRCHE - FÜR DIE KIRCHE
- LITURGISCHE ERNEUERUNG
Gliederung des Themas
TEIL I - DIE LITURGISCHE ARBEIT DER EMB
a) Wichtige Stationen in den dreißiger Jahren
- DAS KIRCHENJAHR (1934)
- LIEDER FÜR DAS JAHR DER KIRCHE (1935)
- LESUNG FÜR DAS JAHR DER KIRCHE (1936)
b) Die liturgische Arbeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg
- GEBETE FÜR DAS JAHR DER KIRCHE (1948)
- DAS STUNDENGEBET (1948)
c) Die Veröffentlichungen von den sechziger Jahren an
- DIE EUCHARISTISCHE FEIER (1961)
- EVANGELISCHES TAGZEITENBUCH (1967)
- ORDNUNG DER TÄGLICHEN BIBELLESUNG (1978)
Teil II - AUSWIRKUNGEN
DAS STUNDENGEBET (1948)
Im selben Jahr 1948 erschien als zweite wichtige Veröffentlichung in der unmittelbaren Nachkriegszeit »Das Stundengebet« als Entwurf herausgegeben vom Liturgischen Ausschuß der Evangelischen Michaelsbruderschaft 19. Horst Schumann, damals Rektor des Ordenshauses in Assenheim (in Hessen), erläutert in einem ausführlichen Vorwort Sinn und Zweck dieser erstmals vorgelegten neuen Ordnung des Stundengebets: »Wir denken dabei daran, daß mindestens eine dieser Tagzeiten als Hausandacht der Familie gehalten werden sollte; daß in einer Gemeinde die Mette und Vesper der normale Morgen- und Abendgottesdienst sein sollten - während die Einhaltung aller vier Tagzeiten einen idealen Fall darstellt, zu verwirklichen auf Freizeiten und in besonders engen geistlichen Gemeinschaften, Ordens- und Schwesternhäusern und dergleichen.« 20 Und später heißt es: » . . . es wäre schon gut, wenn sich die Erkenntnis in unserer Kirche fest einbürgern würde, daß alle öffentlichen Gottesdienste der Kirche immer entweder ein Vollgottesdienst der 'Messe' oder eine Hore sind (meist Mette oder Vesper).« 21 Man erkennt hier deutlich die Ausrichtung der liturgischen Arbeit der EMB auf das geistliche Leben der Kirche und des Einzelnen hin. Freilich müssen darin Zugeständnisse gemacht und die Gemeindesituation berücksichtigt werden. Es sind deshalb nur vier Gebetszeiten angeboten: Morgenlob (Mette), Mittagsgebet, Abendsegen (Vesper) und Nachgebet (Complet) und diese in einer einfachen, gemeindegemäßen Form.
Eine Besonderheit ist die Auswahl der Psalmen. Hans Kappner erläutert sie in einer eigenen Einführung. Es »werden für jede Hore (mit Ausnahme der Complet, die stets die gleichen Psalmen hat) drei verschiedene Psalmen vorgeschlagen: 1. Ein Wochenpsalm, (meist der Introituspsalm), der im Blick auf das Sonntagsevangelium gebetet wird, 2. ein Tagespsalm, der, im Ablauf der Woche täglich wechselnd, im Blick auf das Anliegen des Tages gebetet wird, und endlich 3. ein Stundenpsalm, der, für jede Hore einer Woche festgelegt, uns vom Blick auf die Tageszeit her zum Beten führt.« 22 Über die rechte Art, deutsch zu psalmodieren, sind alle Fragen noch im Fluß. »Wir wollen uns heute«, so heißt es im Vorwort, »noch nicht auf eine bestimmte Form des Psalmengesanges festlegen.« (S. 7) Das Stundengebet, das neben den ausgewählten Psalmen auch Lieder und Gebete im Tageslauf enthielt, hat bis 1966 sieben Auflagen erlebt und eine relativ große Verbreitung gefunden.
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19: |
Kassel 1948 - Vorausgegangen war schon in den dreißiger Jahren (unter den Heften »Der deutsche Dom«) »Das Gebet der Tageszeiten« als ein erstes Angebot in einfacher Form. |
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20: |
ebenda S. 6. |
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21: |
ebenda S. 6. |
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22: |
ebenda S. 9. |

c) Die Veröffentlichungen von den sechziger Jahren an
Die amtliche Agendenreform in den zwischenkirchlichen Zusammenschlüssen (VelKD und EKU) und in den einzelnen Landeskirchen war von den fünfziger Jahren an in Gang gekommen und natürlich bereits mitgeprägt von den bisher genannten liturgischen Arbeiten der EMB. Die Auswirkungen werden im 2. Teil bedacht. Hier soll es zunächst um die weitere Entwicklung innerhalb der EMB gehen unbeschadet der schon sichtbar gewordenen Auswirkungen. Ich nenne vor allem Agende und Stundengebet.
DIE EUCHARISTISCHE FEIER (1961)
Im Jahr 1961 gab Karl Bernhard Ritter die dritte, stark veränderte und erweiterte Agende heraus: »Die Eucharistische Feier, die Liturgie der evangelischen Messe und des Predigtgottesdienstes«, herausgegeben in Verbindung mit der EMB 23. Hier lag nun ein ausgereiftes Werk vor, das sich durch zwei Besonderheiten auszeichnet. Zum einen ist dem Ganzen eine umfangreiche Einführung vorangestellt, die von grundsätzlichen Überlegungen über die Aufgabe der liturgischen Bewegung bis zu praktischen Anweisungen reicht. Es geht Karl Bernhard Ritter dabei um die Wiedergewinnung der liturgischen Dimension und um das Mysterium, das nicht mit einer Subjekt-Objekt-Beziehung zu fassen ist, und das die liturgische Haltung und Gebärde ebenso einschließt wie den liturgischen Raum und die liturgische Kleidung. Daß der Gottesdienst ein ganzheitliches Geschehen ist, kommt in dieser Darstellung anschaulich zum Ausdruck.
Die andere Besonderheit besteht in dem Angebot von vier verschiedenen Formen der eucharistischen Feier, die übrigens wie der Predigtgottesdienst auch in der Mitte des Buches plaziert sind. Es gibt die gesprochene Form, die gesungene Form, die festliche Form und eine andere Form. Daß die wechselnden liturgischen Stücke vom Liturgen und von der Gemeinde entweder alle gesprochen oder alle gesungen werden, ist zweifellos konsequenter als die Mischform (Pfarrer spricht, Gemeinde singt), die seit der preußischen Agende von 1822 Praxis geworden ist. Die festliche Form enthält vor allem ein musikalisch reichhaltiges und variables Angebot, während die »andere Form« die das Mahl feiernde Tischrunde im Blick hat und mit einem großen Dank- und Fürbittengebet beginnt, dem unmittelbar die Verkündigung und der Übergang zu Opfergang und Hochgebet folgen.
Ich habe aus der »Eucharistischen Feier« nur diese beiden Besonderheiten hervorgehoben, weil sie für die spätere Gottesdienstentwicklung bedeutsam sind: der ganze Bereich der nonverbalen Äußerungen und das weite Feld der variablen Gottesdienstgestaltung bei gleichbleibender Grundstruktur. Hier zeigen sich bereits wichtige Ansätze.
 EVANGELISCHES TAGZEITENBUCH (1967)
Auch im Stundengebet gibt es in den sechziger Jahren Veränderungen. Nach - wie oben erwähnt - sieben Auflagen zwischen 1948 und 1966 erschien im Jahr 1967 eine völlige Neubearbeitung unter dem Titel »Evangelisches Tagzeitenbuch«, Ordnung für das tägliche Gebet 24. Die Anordnung bringt zunächst sämtliche 150 Psalmen zum Wechselgebet eingerichtet (jeweils mit eingerücktem Halbvers) und mit Angabe des Gebrauchs im täglichen Gebet.
Es folgen die Ordnungen für den Einzelnen bzw. den kleinen Kreis (in einfacher Form) und für das Chorgebet der vier Tageszeiten, weitere Gebete, die wechselnden Stücke im Kirchenjahr und ein musikalischer Anhang mit Hymnen, Liedern und Responsorien. Bei den wechselnden Stücken sind zu allen Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres das Leitbild, der Wochenspruch, das Wochenlied, das Gebet der Woche und ein Leitvers zum Wochen- und zum Tagespsalm angegeben. Dem folgen dann jeweils für die Wochentage die Angaben der Psalmen und die (aus pastoralen Gründen) kurzen Lesungen. Für das Singen der Psalmen ist dem Buch eine Psalmton-Tafel beigegeben.
Die weitere Arbeit am Stundengebet war in den folgenden Jahren vor allem durch die Frage nach der musikalischen Gestalt bestimmt. Die Forschung der letzten Jahrzehnte im Blick auf die Gregorianik hat die Frage nach einer deutschen Psalmodie (und die Frage nach einer deutschen Gregorianik überhaupt) in ein neues Licht gestellt und damit auch neue Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten über die rechte Ausführung der gregorianischen Gesänge hervorgerufen. Die EMB hat sich mit dem Problem eingehend beschäftigt 25. Das 1995 erschienene »Evangelische Stundengebet« zeigt bereits erste Ergebnisse 26 und im neuen Tagzeitenbuch der EMB werden nun Lösungen im Blick auf die Ausführung der deutschen Psalmodie vorgelegt, über die es in der Einführung heißt: "Während unsere früheren Veröffentlichungen noch sagten: 'über die rechte Art, deutsch zu psalmodieren, sind eigentlich alle Fragen noch im Fluß' (Das Stundengebet S. 8, ähnlich TZB S. XII), meinen wir heute sagen zu können, eine der deutschen Sprache angemessene musikalische Form gefunden zu haben." 27
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24: |
hrg. im Auftrag der EMB von Albert Mauder, Kassel 1967 (Dritte veränderte Auflage 1979). |
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25: |
vergl. Günther Hinz und Alexander Völker: Vom Singen der Psalmen, ein Werkstattbericht, Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 1990/91, Hannover 1991, S. 1 - 94. |
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26: |
Evangelisches Stundengebet, Beten im Rhythmus von Jahr und Tag, im Auftrag des Rates der Evangelischen Michaelsbruderschaft hrg. von Ernst Hofhansl und Herbert Naglatzki, Hannover 1995. |
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27: |
Evangelisches Tagzeitenbuch, 4., völlig neu gestaltete Auflage, hg. v. der Evangelischen Michaelsbruderschaft, Münsterschwarzach und Göttingen 1998, 11. - Wenig später liest man: »Daß die in das Evangelische Gesangbuch aufgenommenen Formen Kompromisse sind, die z. T. auf dem Stand der dreißiger und fünfziger Jahre beharren und sich neuen Entwicklungen kaum zu öffnen vermochten, bleibt zu bedauern.« S. 11. |
 ORDNUNG DER TÄGLICHEN BIBELLESUNG (1978)
Unter den für unser Thema wichtigen Veröffentlichungen der EMB sei noch die neue Ausgabe der »Ordnung der täglichen Bibellesung nach dem Kirchenjahr« genannt 28, die 1978 aufgrund der mit dem 1. Advent 1978 in Kraft getretenen neuen Perikopenordnung erschienen ist. Es handelt sich dabei um die Fortschreibung der 1936 erschienen »Lesung für das Jahr der Kirche«, deren Angleichung wieder notwendig geworden war. Nach wie vor zeichnet die EMB für diese Sonntagszuordnung mit Leitbild, Wochenspruch, Wochenpsalm und den Lesungen für die Wochentage verantwortlich. Die Zuständigkeit für das Wochenlied war schon in früheren Jahren an den Verband evangelischer Kirchenchöre Deutschlands übergegangen.
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28: |
Ordnung der täglichen Bibellesung nach dem Kirchenjahr, Neue Ausgabe, bearbeitet in Anpassung an die ab 1. Advent 1978 geltende Ordnung der sonntäglichen Lesungen und Predigttexte, hrg. von der EMB, Kassel 1978 (Vorwort von Albert Mauder). |
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