EINLEITUNG
TEIL I - DIE LITURGISCHE ARBEIT DER EMB
Teil II - AUSWIRKUNGEN
- EINLEITUNG
- 1. DAS KIRCHENJAHR
- 2. DAS SONNTAGSPROPRIUM
- 3. DAS SONNTAGSTHEMA
- 4. DER WOCHENSPRUCH
- 5. DAS WOCHENLIED
- 6. DER WOCHENPSALM
- 7. DIE ABENDMAHLSGEBETE
- 8. SCHLUSSEVANGELIUM/SENDUNGSWORT
- 9. VARIABLE GOTTESDIENSTTEILE
- 10. NONVERBALE ÄUßERUNGEN
- STUNDENGEBET
- BIBELLESE
- SCHLUSSWORT
 7. DIE ABENDMAHLSGEBETE
EMB: In der Agende von 1948 »Gebete für das Jahr der Kirche« stehen in der Ordnung der Messe unter dem Gesamttitel »Das Hochgebet«: Danksagung (Präfation), das Dreimalheilig (Sanctus), Einsetzungsworte (Verba Testamenti), Gedächtnis der Erlösung (Anamnese), Bitte um den Heiligen Geist (Epiklese), das Brotbrechen (Fractio Panis), Vaterunser. Dieselbe Anordnung und auch nur mit einem ausgeführten Beispiel findet sich in der »Eucharistischen Feier« von 1961. Voraus geht der in beiden Agenden so genannte »Opfergang« mit Einsammeln der Geldgaben und dem Herbeibringen von Brot und Wein (mit Wasser) zum Altar. Dabei singt die Gemeinde das Lied zum Opfergang, dem die Gebete zum Opfergang und das Credo folgen. Diese Reihenfolge und auch die Konzentration auf nur einen Wortlaut, der allerdings 1961 eine gewisse Modifikation erfahren hat, sind immerhin beachtlich.
Auswirkungen: Für die Übernahme in die kirchenamtlichen Agenden ist zunächst auf die grundlegende Erkenntnis hinzuweisen, daß das heilige Abendmahl zum Gottesdienst gehört und nicht die Ausnahme sein sollte. Selbst in der badischen Agende ist der sogenannte »Gesamtgottesdienst« als Liturgie 7 in der Agende von 1965 zur Liturgie 1 in der Agende von 1996 geworden - immerhin ein Zeichen! Die Bezeichnungen »Eucharistische Feier«, »Opfergang« und »Hochgebet« haben sich allerdings nirgends durchgesetzt. Dagegen sind im Vorentwurf der »Erneuerten Agende« von 1990 acht Dankopfergebete angeboten, die deutlich Impulse der EMB aufnehmen. Die Texte müßten im einzelnen verglichen und untersucht werden, was an dieser Stelle nicht möglich ist. Daß aber das Gesamtanliegen der »Eucharistischen Feier« im Vorentwurf der EA aufgenommen und weitergetragen ist, zeigt vor allem die Aufnahme von 14 verschiedenen Eucharistiegebeten aus der alten Kirche und der Ökumene. Auf sie kann ebenfalls hier nicht näher eingegangen werden.
Die badische Agende von 1965 enthält bereits - wenn auch fakultativ - nach den Einsetzungsworten Anamnese, Epiklese mit eschatologischen Ausblick. Die Agende von 1996 kennt im Abendmahlsteil neben einer ersten Form mit Abendmahlsgebet nach den Einsetzungsworten eine zweite Form »als Eucharistiegebet«, in der die Einsetzungsworte eingebettet sind in Abendmahlsgebet I und Abendmahlsgebet II. Der Textteil bietet Abendmahlsgebete unterschiedlicher Ausprägung an.
 8. SCHLUSSEVANGELIUM UND SENDUNGSWORT
EMB: 1948 »Gebete für das Jahr der Kirche« und 1961 »Die Eucharistische Feier«.
Auswirkungen: Das Schlußevangelium hat sich nicht durchgesetzt. Wohl aber findet sich in der »Erneuerten Agende« (Vorentwurf 1990 und Entwurf 1997) der Hinweis auf die Möglichkeit, ein Sendungswort (eventuell auch den Wochenspruch) vor dem Segen zu sprechen.
Die badische Agende von 1996 sieht ein solches Sendungswort zwischen Abkündigungen und Segen (fakultativ) vor, das ein passendes Bibelwort oder auch der Wochenspruch sein kann 41.
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41: |
S. 35, 62, 76, 100, 158, 174. |
 9. VARIABLE GOTTESDIENSTTEILE
EMB: 1961 »Die Eucharistische Feier«: Sie enthält eine gesprochene, eine gesungene, eine festliche und eine andere Form, wobei im eigentlichen Sinne nur die letztere eine echte inhaltliche Variante darstellt mit völlig anderem Eingangsteil. Auch der Predigtgottesdienst ist in einfacher und in erweiterter Form angeboten.
Auswirkungen: Was in der »Eucharistischen Feier« von 1961 ansatzweise zu finden ist, kommt in der »Erneuerten Agende« zur Entfaltung: Unterschiedliche Ausgestaltung einzelner Gottesdienstteile aus besonderem Anlaß und in besonderer Gemeindesituation bei gleichbleibender Grundstruktur des Gottesdienstes.
Die badische Agende von 1996 hat diese Entwicklung konsequent aufgenommen und bietet in ihren acht Liturgien unterschiedliche situationsbezogene Formen an bis hin zu »Leitlinien für die freiere Gestaltung von Gottesdiensten« 42.
 10. NONVERBALE ÄUßERUNGEN
EMB: 1961 »Die Eucharistische Feier«: Enthält eine umfangreiche Einführung (50 Seiten) mit besonderer Betonung auf liturgische Haltung und Gebärde, Raum und Kleidung. Auch werden im Ordinarium genaue Anweisungen (Rubriken) zum Verhalten gegeben.
Auswirkungen: Eine so ausführliche Anweisung findet sich zwar derzeit in keiner Agende. Aber das Verständnis für ganzheitliche Liturgie und für die Wichtigkeit der Form ist in den letzten Jahren gewachsen und die zahlreiche Literatur zur Gestalt des Gottesdienstes zeigt doch so etwas wie eine Frucht und einen Niederschlag der Arbeit der EMB im Bemühen um die rechte Feier des Gottesdienstes 43.
In Baden war ein liturgischer Wegweiser, wie er etwa in der Agende von 1930 zu finden ist, im Zusammenhang mit der Agende von 1965 trotz mehrerer Ansätze nicht zustande gekommen. Seit 1989 gibt es immerhin einen Entwurf, der zur Erprobung freigegeben ist und auf eine überarbeitete Veröffentlichung wartet 44.
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43: |
Literatur dazu: Werner Jetter, Symbol und Ritual, Anthropologische Elemente im Gottesdienst, Göttingen 1978 (2. Aufl. 1986) - Okko Herlyn, Theologie der Gottesdienstgestaltung, Neukirchen-Vluyn 1988 - Manfred Josuttis, Der Weg in das Leben, eine Einführung in den Gottesdienst auf verhaltenswissenschaftlicher Grundlage, München 1991 - Dietrich Stollberg, Liturgische Praxis, Göttingen 1993 (Stollberg zitiert darin ausführlich aus der »Eucharistischen Feier« 1961 von K.B.Ritter) - Michael Meyer-Blanck, Inszenierung des Evangeliums, ein kurzer Gang durch den Sonntagsgottesdienst nach der Erneuerten Agende, Göttingen 1997. |
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44: |
Liturgischer Wegweiser, für die Gottesdienste in der Evangelischen Landeskirche in Baden, Sonderdruck aus der zur Erprobung freigegebenen Agende I, Karlsruhe 1989 (rotes Heft). |
 AUSWIRKUNGEN AUF DAS STUNDENGEBET
Neben diesen »Auswirkungen« im Blick auf den Gottesdienst und seine Gestalt sind die Auswirkungen in Bezug auf das Stundengebet zu nennen. Das sichtbarste Zeichen dafür, daß die liturgische Arbeit der EMB am Stundengebet Früchte getragen und in den letzten Jahrzehnten nun im Bewußtsein weiter Kreise der Kirche Eingang gefunden hat, ist die Tatsache, daß in das Evangelische Gesangbuch von 1993 die vier Gebetszeiten Mette, Mittagsgebet, Vesper und Komplet (dazu noch ein Gemeinsames Gebet nach Taizé) aufgenommen und von allen Landeskirchen (außer der Pfalz und der reformierten Kirche) akzeptiert worden sind. Dabei ist allerdings die Art der Ausführung von vielen Faktoren und unterschiedlichen Richtungen bestimmt gewesen. Auch ist die Diskussion darüber noch nicht beendet 45. Daß aber die EMB hier einen wichtigen Beitrag geleistet und in alledem die Vertiefung des geistlichen Lebens gefördert hat, steht außer Frage.
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45: |
Einen kurzen Einblick in die unterschiedlichen Auffassungen und Ergebnisse gibt Christa Reich, Evangelium: Klingendes Wort, Zur theologischen Bedeutung des Singens, Calwer Verlag Stuttgart 1997, S. 29-31. |
 AUSWIRKUNGEN AUF DIE BIBELLESE
Schließlich ist unter den »Auswirkungen« nicht zu übersehen, daß mit der Kirchenjahres-Bibellese, die 1936 mit der Veröffentlichung der »Lesung für das Jahr der Kirche« begann, eine Übung eingeführt wurde, die sich weit über die Michaelsbruderschaft hinaus bewährt und als guter Brauch bis heute erhalten hat. Albert Mauder schreibt im Vorwort zur - oben bereits erwähnten - Neuausgabe von 1978: »So hat diese Leseordnung ihren Platz in der Hand vieler Pfarrer gefunden, die vielleicht zwei- oder dreimal in der Woche eine Morgenandacht, täglich in anderen Gruppen eine Abendandacht zu halten haben. Denn sie erlaubt es zum Beispiel, die Predigtgedanken des Sonntags durch die Woche hindurch in mancherlei biblischen Zusammenhängen weiterzutragen oder zu entfalten. Sie bestimmt weitgehend die Sitzungstage der verschiedensten kirchlichen Gremien, wird zu Morgenandachten im Rundfunk zu Rate gezogen, begleitet Wochenfreizeiten und Arbeitstagungen, wird in der Klinikseelsorge verwendet und vieles andere mehr. Diese vielfältige Praxis hat gezeigt, daß die Kirchenjahres-Bibelleseordnung ihr eigenes Recht hat neben der von den kirchlichen Verbänden betreuten fortlaufenden Bibellesung einerseits und der 'eisernen Ration' der Herrnhuter Losungen und Lehrtexte andererseits.« 46 Das Losungsbüchlein enthält ja für jeden Tag sowohl die Kirchenjahres-Bibellese (von der EMB verantwortet) als auch die »fortlaufende Bibellese«, die wie auch Jahreslosung und Monatsspruch heute von der »ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen« verantwortet wird 47. Auch der Pfarramtskalender hält sich an diese Ordnungen, wobei dort für die Kirchenjahres-Bibellese nicht nur die Morgen- sondern auch die Abendlesung angegeben ist 48. Vielleicht ist diese Zusammenbindung des Sonntagsgottesdienstes mit dem Alltag der Woche der wichtigste und wohl auch verbreitetste Beitrag der Michaelsbruderschaft für das geistliche Leben des Einzelnen und seine Bibelfrömmigkeit. Er verdient es nach wie vor, in unseren Gemeinden stärker als bisher herausgestellt zu werden.
Auch die Gebetsanliegen für die einzelnen Wochentage haben seit ihrem ersten Erscheinen 1936 in der »Lesung für das Jahr der Kirche« weite Verbreitung gefunden, wenn sie auch im Laufe der Jahre Veränderungen erfahren haben, wie ein Blick in das »Losungsbüchlein« zeigt.
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46: |
siehe Anm. 28, dort S. 3. |
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47: |
Losungen 1998, Die täglichen Lesungen und Lehrtexte der Herrnhuter Brüdergemeine für das Jahr 1998 (268. Ausgabe) hrg von der Direktion der Evangelischen Brüder-Unität Herrnhut und Bad Boll, Hänssler Verlag Neuhausen und Friedrich Reinhard Verlag Lörrach, S. 6. - Vergl. auch den Hinweis in Anm. 16. |
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48: |
Pfarramtskalender 1998 (48.Jahrg.), Herausgeber: Verband der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V., Druck und Auslieferung: Verlagsdruckerei Schmidt GmbH, Neustadt/Aisch. |
 SCHLUSSWORT
Abschließend seien einige Sätze aus dem Berneuchener Buch von 1926 zitiert, in denen das - nach wie vor erstaunlich aktuelle - Grundanliegen der EMB noch einmal deutlich zum Ausdruck kommt: »Es ist also der Sinn des evangelischen Gottesdienstes, in leiblicher Gestaltung und sinn-bildlicher Darstellung die Verkündigung des Wortes und die von dem Wort Gottes getroffene Gemeinde zu verwirklichen. Damit wird der Gleichnischarakter des gesamten Lebens offensichtlich und das gesamte menschliche Leben zur Offenbarungsstätte Gottes geweiht. Darum darf auf evangelischem Boden kein absoluter Trennungsstrich gezogen werden zwischen 'liturgischen' Gestalten und der profanen Lebenshaltung. Eine liturgische Bildung, die das ganze übrige Gebiet leibhafter Gestaltung in Haltung, Ernährung, Kleidung ungeheiligt läßt oder es bloß der Zweckhaftigkeit, dem Geschmack und der Mode unterwirft, ist eben nicht wirklich liturgische Bildung. . . . So wenig es bei der siRiehm - Gottesdienstreformichen Bewährung nur auf die Gesinnung ankommt, sondern eben darauf, daß die Gesinnung sich in der Tat ausspricht, so wenig kann man die Aufgabe der kirchlichen Form beiseite schieben als ob es nur auf die Gesinnung ankomme. Es kommt eben überall, im Gottesdienst wie im täglichen Werk, darauf an, daß die Wahrheit in die irdische Wirklichkeit, also auch in die Sphäre der Leiblichkeit gestaltend hineinwirkt. Alles, was über liturgische Form im einzelnen und was über Leibhaftigkeit, Körperkultur und Lebensreform überhaupt zu sagen ist, ist nur eine weitere Ausführung dieser Linie.« 49
Zur Person des Verfassers: Heinrich Riehm ist Theologe und Kirchenmusiker, war nach 30 Jahren Gemeindepfarramt zuletzt "Landeskirchlicher Beauftragter für Liturgische Ausbildung, Forschung und Praxis" der badischen Landeskirche, war Dozent für Liturgik am Predigerseminar Heidelberg und Lehrbeauftragter für Hymnologie, liturgisches Singen und Sprechen sowie für Gemeindesingarbeit an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg, Mitglied und z.T. Vorsitzender verschiedener liturgischer und kirchenmusikalischer Kommissionen.
© Heinrich Riehm Diese Abhandlung wurde in leicht gekürzter Form veröffentlicht in Quatember 1998, S. 225-236 und Quatember 1999, S. 38-41.
Die Überschriften des Verfassers wurden in das Inhaltsverzeichnis übernommen und um weitere Überschriften ergänzt.
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