Evangelische Jahresbriefe 1962

Wilhelm Sthlin

Der immerwhrende Lobgesang

Die "tglichen Gottesdienste" der Kirche sind Gebetsgottesdienste, und ihr wesentlicher Inhalt ist das Lob Gottes, das der Kirche stellvertretend fr alle Kreaturen aufgetragen ist. Das Lied, mit dem Cornelius Becker den 100. Psalm in eine liedmige Form gebracht hat "Nun jauchzt dem Herren, alle Welt" (EKG 187), hat den Aufruf zu diesem immerwhrenden Lobgesang in der knappsten Weise ausgedrckt: "Gott loben, das ist unser Amt". Darum gehren zu den festen Bestandteilen dieses tglichen Gebetes (auch "Stundengebet" genannt) die "Cantica", das sind jene Lobgesnge, die auerhalb des Psalters in der Heiligen Schrift enthalten sind; drei von ihnen gehren dem Neuen Testament und zwar den Lukanischen Geburts- und Kindheitsgeschichten an (Luk. 1 und 2), whrend alle anderen im Alten Testament oder in den Apokryphen zu finden sind. Die drei neutestamentlichen Cantica, der Lobgesang der Jungfrau Maria (Luk. l, 46-55), der Lobgesang des Zacharias (Luk. 1, 68-79) und der Lobgesang Simeons (Luk. 2, 29-32), sind im regelmigen Gebrauch auch der evangelischen Christenheit, und bei festlichen Gelegenheiten tritt daneben der "Gesang der drei Mnner im Feuerofen" (in der Luther-Bibel als das vorletzte der apokryphen Bcher zu finden). Weil es uns aufgetragen ist, das, was wir im Gottesdienst singen und beten, auch mit Bewutsein und Verstndnis zu durchdringen, damit die regelmige Wiederholung nicht zu einer gedankenlosen und leeren Gewohnheit entarte, darum sollen in den vier Heften dieses Jahrgangs diese vier Cantica ausgelegt und der Sinn ihres regelmigen Gebrauchs errtert werden.

1. Das Magnifikat

Es heit (Luk. 1, 41), da Elisabeth, als Maria zu ihr bers Gebirge Juda kam, vom Heiligen Geist erfllt wurde und ihr in solcher Weise inspirierter Gru in dem Herzen der Maria einen Lobgesang erweckte, der ihr alsbald ber die Lippen strmte. Dieser Lobgesang wird nach dem ersten Wort des lateinischen Textes (Magnificat anima mea Dominum) das Magnifikat genannt. Er zeigt durchaus den Stil der alttestamentlichen Psalmen; der Lobgesang der Hanna (1. Sam. 2, 1-10) ist auch inhaltlich eine deutliche Parallele. Weil darin weder auf die vorhergehende Verkndigung durch den Engel, noch auf die Begegnung der beiden Frauen (in der Sprache der Liturgie und der kirchlichen Kunst "Heimsuchung" genannt) ausdrcklich Bezug genommen wird, ist die Mglichkeit nicht von der Hand zu weisen, da hier ein aus anderen Quellen stammendes Stck der Psalmendichtung der Jungfrau Maria in den Mund gelegt ist; aber es ist der besonderen Situation der Mutter des Herrn so sehr angemessen und durch diese berlieferung nun so eng mit der Gestalt der Maria verbunden, da wir es mit gutem Recht als den Lobgesang der Maria kennen und lieben und, indem wir es im Gottesdienst gebrauchen, "mit Maria" den Herrn loben; so wie das Vaterunser Muster und Norm jedes christlichen Gebets ist, so ist dieser Lobgesang der Maria das Urbild des christlichen Lobgesangs geworden.

Luther hat das Magnifikat besonders geliebt und hat es in einer eigenen kleinen Schrift ausgelegt, die er unmittelbar vor der gefahrvollen Reise nach Worms, im Mrz 1521, begonnen und unmittelbar danach auf der Wartburg vollendet hat. Er hat diese Schrift in einer sehr bemerkenswerten Weise dem knftigen Kurfrsten, dem damaligen Herzog von Sachsen, Johann Friedrich, als eine Art Frstenspiegel gewidmet. Jede evangelische Rede von Maria, der Mutter des Herrn, mu immer wieder bedenken, was Luther in dieser Schrift ber Maria als die arme und niedrige Magd des Herrn geschrieben hat; gerade weil sich seine nchterne Art so weit entfernt von dem berschwang, in dem ebenso die Mariendichtung des spten Mittelalters wie die darstellende Kunst jener Zeit schwelgte.

Das Wort, mit dem ebenso der lateinische wie der griechische Text jenes Lobgesangs beginnt (magnificat), bedeutet eigentlich: gro machen. Gewi hat Luther recht, wenn er dieses Wort nur so verstehen will, da Maria die Gre und die Grotaten Gottes preisen will, und weder zu der Macht noch zu der Heiligkeit Gottes (Vers 49) vermag der Mensch mit seinem Lobgesang etwas hinzuzutun, so wenig er sie mit seinem gedankenlosen oder trotzigen Schweigen mindern kann; aber doch ist unser Lobpreis das volltnende Echo seines schpferischen Wortes, und, wie das im Spiegelbild zurckgeworfene Licht den festlichen Glanz vermehrt, so ist er selbst ein Stck der Herrlichkeit Gottes, die gepriesen wird von denen, die seine Macht und seine Barmherzigkeit erfahren haben: "Mein Seel' soll auch vermehren sein Lob an allem Ort".

Weil wir in der deutschen Sprache die lateinische Voranstellung des Verbums nicht nachahmen knnen (magnificat anima mea Dominum), gewinnt hier in Luthers bersetzung das Subjekt "meine Seele" und "mein Geist" ein Gewicht, das nicht der Intention dieses Satzes entspricht; und wenn, wie es leider herkmmlich ist, dieses Magnifikat nach dem dafr vllig ungeeigneten neunten Psalmton gesungen wird, wird durch die musikalische Figur am Anfang auch noch das "meine Seele" betont; wenn man dagegen den ersten Psalmton verwendet (f g aaa c a g a), so kommt alles in eine sehr viel bessere und sinngeme Ordnung.

Da Luther unter ausdrcklicher Berufung auf 1. Thess. 5, 23 Geist, Seele und Leib als drei Wesensglieder des Menschen unterscheiden will und allein dem Geist zutraut, da er durch den rechten Glauben "die unbegreiflichen Dinge fngt", so liegt doch hier schwerlich irgendein Akzent auf der Unterscheidung von Seele und Geist in den beiden parallelen Satzhlften; vielmehr bezeichnen beide das Inwendige des Menschen, dessen der Mensch selber nicht mchtig ist, und in dem der Fromme erfhrt und erleidet, was Gott in ihm wirkt. "Es schwebt mein Leben und alle meine Sinne in Gottes Liebe, Lob und hohen Freuden, da ich, meiner selbst nicht mchtig, mehr erhoben werde, denn ich mich selbst erhebe zu Gottes Lob" (Luther)
Anm. 1: Wenn nichts anderes vermerkt, stammen die Zitate aus Luthers oben erwhnter Auslegung des Magnifikat.

"Frohlocken" oder "Jauchzen" ist mehr als rein inwendiges Freuen; exsultavit, wie es im lateinischen Text heit, bezeichnet eigentlich ein Springen, mit dem sich der Mensch von sich selber, jedenfalls von dem Standort seines normalen Seelenzustandes, lst. In der "Rhmung" Gottes (Rilke) gert der Mensch in gewissem Ma auer sich, aber eben "ber sich" in die Sphre des gttlichen Heils, nicht "unter sich" in jene Tiefen und Abgrnde, in denen der Mensch sein wahres Selbst verliert.

Der berschwang dieser Freude ist freilich nicht eine Verzckung ohne klar bewuten Inhalt (derart wie vor einem Menschenalter unsere Kirchenchre sich gern auf Lieder eines allgemeinen Gotteslobes ohne klar erkannten Glaubensinhalt beschrnkt haben), sondern es ist die Antwort auf den Gru des Engels "Freu dich, Begnadete!" und auf die Benedeiung durch Elisabeth "Selig bist du, die du geglaubt hast"; die Freude der Jungfrau Maria ist ganz und gar die Freude ber das Heil, oder vielmehr in dem Heil, das ihr widerfahren ist, und das Zeugnis, da sie mit Seele und Leib das wirklich angenommen hat, was ihr verkndigt worden ist.

Sie jubelt, weil Gott sie "angesehen hat", angesehen mit dem Blick, der Gottes "Wohlgefallen", Erwhlung und Begnadung in einem bedeutet. Luther hat in seiner Verdeutschung des Magnifikat geschwankt zwischen der Beibehaltung der Umschreibung "Die Niedrigkeit (oder Nichtigkeit) seiner Magd" (nach Analogie von "die Majestt des Knigs") und der direkten und persnlichen Ausdrucksweise "mich, seine geringe Magd"; er hat sich in seiner Bibelbersetzung von der wrtlichen Vorlage, die ihm durch den lateinischen Text vertraut war, nicht trennen knnen, aber er hat in liturgischen Texten die freie und sachlich richtigere Wiedergabe vorgezogen, und warum sollten wir nicht seinem Vorbild folgen und singen: "Er hat mich, seine geringe Magd, angesehen"? Denn so wenig Maria selbst vor Gott ber ihre Niedrigkeit reflektiert oder darber redet, so wenig schaut Gott diese Niedrigkeit als solche an; sondern er schaut den armen, geringen Menschen an, der nichts anderes aufzuweisen hat als eben dieses, da Gottes liebendes und erwhlendes Auge auf ihm ruht. Luther legt in seiner Auslegung den grten Wert darauf, da humilitas nicht mit Demut, sondern mit Niedrigkeit wiedergegeben werde. Denn es gibt eine falsche Demut, die sich Gott und Menschen als Demut zur Schau stellt; "rechte Demut wei nimmer, da sie demtig ist". Luther kann sich nicht genug tun, die wirkliche Niedrigkeit der Magd des Herrn zu beschreiben: sie msse, meint er, arme, verachtete, geringe Eltern gehabt haben, und sie selber sei eine geringe und verschmhte Magd gewesen; und sie sei fr den Dienst, zu dem Gottes Gnade sie berufen hat, nicht tauglicher als das Holz dazu taugt, da Christi Kreuz daraus gezimmert werde. Man soll erkennen, da alles allein Gottes Gnade und Gte ist. Auch ohne ausdrckliche Polemik wrden wir spren, wie sehr Luther, indem er dieses mit vielen Worten unterstreicht, die "geringe Magd" von dem Purpurmantel befreien will, den die ppig blhende Marienfrmmigkeit der regina coeli um die Schultern gelegt hat. Es liegt alles allein an dem "Ansehn" Gottes, bei Maria ebenso wie bei Abel, dessen Opfer Gott gndig angesehen hat; und wir sehen mit erschreckender Deutlichkeit die zwiefache Gefahr, da der berschwngliche Lobpreis der Reinheit und Demut Mariens das Geheimnis ihrer Erwhlung verdunkelt, oder da auf der anderen Seite der Protest gegen solche bermalung des biblischen Bildes nicht mehr wahr haben will, da eben die Jungfrau Maria in ihrer Niedrigkeit von Gott angesehen wird und darum selig zu preisen ist.

Denn auch dieses gehrt zu dem Geheimnis der Gnade, da der also Begnadete nicht ausgelscht wird, wie es in aller Mystik geschieht, sondern nun gerade in seinem Personsein ernst genommen und erhalten wird. Dieses ist auch der tiefe Sinn der frh auftauchenden Legende, da Maria in der Geburt und nach der Geburt auch im physischen Sinn Jungfrau geblieben sei, und eine stark an die jungfruliche Gottesmutter gebundene Frmmigkeit wird sich durch die Nchternheit der biblischen Darstellung nicht verbieten lassen, jenes Geheimnis der gttlichen Einwohnung, die ihr Gef nicht wie der Dmon zerbricht (jenes Geheimnis, das Mose in dem Bild des brennenden, aber vom Feuer nicht verzehrten Busches geschaut hat), sich auch in jener legendren Weise zu vergegenwrtigen.

Darum ist nicht zu berhren oder zu berlesen, da die Jungfrau Maria die zwiefache Benedeiung, mit der Elisabeth sie begrt hat, nun in aller wirklichen Demut annimmt und bejaht: "Mich werden selig preisen alle Geschlechter" (Vers 48sb). Sie, die den Herrn empfangen und geboren hat, kann nicht in ein erbauliches Symbol aufgelst werden, sondern es gilt auch von ihr als menschlicher und geschichtlicher Person, was Paulus von sich bekennt: Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin.

Das Gotteslob entzndet sich an persnlicher Erfahrung. "Der Herr hat groe Dinge an mir getan". Es ist weder ntig noch mglich, das Einzelne aufzuzhlen; in den "groen Dingen", in den Grotaten Gottes ist alles eingeschlossen, was Maria durch die Botschaft des Engels vernommen hat und was Gottes Gnade an ihr tun wird. Aber knnten wir einstimmen in ihr Magnifikat, wenn sie in einer hchst persnlichen Weise erzhlen wollte, welches ihre besondere Erfahrung von Gottes groen Taten gewesen ist? ber jedes persnliche Danken, ber die "provinzielle" Enge eigener Schmerzen und Freuden, erhebt sich dieses Lob Gottes zu der reinen Anbetung der Gre, der Macht und Herrlichkeit Gottes. Gott ist "eine wirkende Macht und stetige Ttigkeit, die ohne Unterla im Schwange geht und wirkt". "Heilig ist Sein Name"; sein Name, der immer offenbar und verborgen zugleich ist; die ber alles Menschenma, alle menschliche Fragwrdigkeit und alle menschliche Tugend erhhte Majestt Gottes ist der rechte Anla und Inhalt des Lobes, mit dem der Mensch den Blick von sich selbst, von seinem Tun und Wesen (von seinen Tugenden ebenso wie von seinen Mngeln und Fehlern) hinweg lenkt auf das demtige Anschauen dessen, der immer "wunderbar ist mit seinem Tun unter den Menschenkindern" (Ps. 66, 5).

Ein Ausleger (Robert Leuenberger, Das Magnifikat, EVZ-Verlag, Zrich) macht darauf aufmerksam, wie in diesem Lobpreis die ersten Bitten des Vaterunsers in ihrer schon geschehenen Erfllung wiederklingen: Gottes heiliger Name wird gepriesen, sein Reich ist im Kommen, sein Wille geschieht an dem Menschen, der sich ihm ergibt. Man kann auch mit gutem Recht aus diesem zentralen Vers einen vorweggenommenen Protest heraushren gegen die Gefahr, da aus dem Lobgesang der gebenedeiten Jungfrau ihre eigene Lobpreisung wird und aus dem Lob Gottes, der allein heilig und der Anbetung wrdig ist und der allein helfen kann, eine Anrufung der Gottesmutter, die fast zum Rang einer Mutter-Gottheit erhoben ist; Er allein ist mchtig; Sein Name allein ist heilig!

Es ist kein Gegensatz oder Widerspruch, wenn die Barmherzigkeit des Heiligen gerhmt wird (Vers 50). Denn die barmherzige Liebe, die sich zu dem Niedrigen neigt (woran ja das deutsche Wort Gnade, das heit Ge-nade erinnert), ist von seiner Heiligkeit nicht zu trennen, mit der er von der Unbarmherzigkeit der Menschen, der Natur und des ganzen Weltlaufs geschieden ist; so wenig wie die Furcht Gottes (Vers 50) zu lsen ist von der vertrauensvollen Annahme seiner Barmherzigkeit. Diese Barmherzigkeit whrt fr alle Geschlechter, oder, wie es an parallelen Stellen heit "von Geschlecht zu Geschlecht", von Ahnen zu Enkeln, wie man das wohl verdeutschen knnte. Warum Luther diesen anschaulichen und personalen Ausdruck durch das langweilige "fr und fr" ersetzt hat, ist nicht einzusehen; noch weniger, warum wir diese schlechte bersetzung beibehalten.

Nun erst erhebt sich der Lobgesang zu dem Grten und Herrlichsten, das er an Gottes Heiligkeit und Barmherzigkeit zu rhmen hat. Die Mastbe menschlicher Gre und Macht gelten vor ihm nicht, sondern er verkehrt sie ins Gegenteil; die gewaltigen Herren stt er von ihrem Thron und erhebt die, die im Staube ihrer Niedrigkeit liegen. Luther hat gemeint, da hier (Vers 51-53) sechs Werke Gottes aufgezhlt gefunden werden knnen, oder da man wenigstens Gottes Zorngericht ber alle Hoffart und Gottes Barmherzigkeit und Liebe zu den Armen, Schwachen und Geringen als "Gottes Barmherzigkeit zur linken" und Gottes Walten zur rechten Hand unterscheiden msse; aber damit wird auseinandergcrissen, was doch nur zwei Seiten einer und derselben schpferischen Aktivitt Gottes sind, und die beide der unmiverstndliclie Ausdruck seiner Majestt, seiner Erhabenheit ber alle irdischen Schicksale und Mastbe sind. Dieses aber durchzieht als ein Grundgedanke die ganze Heilige Schrift, da die Hoffart, die superbia, als der eigentliche Sndenfall des Menschen, Gott ein Greuel ist, da sich die creatio ex nihilo als die Kraft erweist, die in dem Schwachen mchtig wird. "Die hoffrtig sind in ihres Herzens Sinn": das sind ja nicht nur die mchtigen und stolzen Herren, die fr jene superbia besonders anfllig sind; sondern das ist der Mensch schlechthin, der hoch hinaus will, der seine ihm gesetzten Grenzen berspringen will und eben als der bermensch, der er sein will, zum Untermenschen wird. Eben dieses besingt der Lobgesang der Mutter des Herrn, und dieser Grundton biblischer Gotteserkenntnis ist gerade an Weihnachten besonders deutlich vernehmbar:

"Das hat also gefallen dir,
die Wahrheit anzuzeigen mir,
wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut."

Es gehrt wesentlich zu dem Stil des Lobgesangs, da Maria sich mit ihren Vtern verbindet und mit deren Worten redet. Das Magnifikat ist ein Teppich, dessen Fden den Psalmen oder anderen Gesngen des Alten Testaments entnommen sind. Das unerhrt Neue ist immer zugleich das Uralte, wie es war von Anbeginn, und wer die Stimme der Vter und die Stimme Gottes zu den Vtern verachten wollte, htte auch seinen Kindern nichts zu vererben. Der Glaubende beruft sich auf die Verheiungen, die den Vtern gegeben sind, und vertraut darauf, da Gott ihrer "gedenkt", das heit, sie wahr macht an denen, die Er "angesehen" hat; der Glaubende gehrt zu den Kindern Abrahams, des Vaters der Glaubenden, die Gottes mchtigen Anruf vernommen haben, die diesem Anruf gefolgt sind und in den Bereich des ganz und gar unbekannten und ungesicherten Lebens sich gewagt haben und eben auf diesem Weg der Gefahr und des Opfers gesegnet sind.

Es bedarf eines letzten Wortes. Was bedeutet es, wenn die Kirche diesen Lobgesang der Jungfrau Maria, das Magnifikat, sich zu eigen macht und ihn in vieltausendstimmiger Wiederholung in ihrem tglichen Abendgebet betet und singt? Es ist gewi nicht nur und nicht einmal in erster Linie dieses, da die gegenwrtig Lebenden sich in die Reihe der Geschlechter einfgen, die Maria, die demtige und gehorsame Magd des Herrn, um ihres Glaubens willen selig preisen und benedeien. Denn wir lobpreisen ja nicht sie selbst, sondern mit ihr den Herrn, den mchtigen, heiligen und barmherzigen. Die Kirche wei sich selbst als die geringe Magd, die allein davon und dadurch lebt, da Gott sie in ihrer Niedrigkeit ansieht, die nichts aufzuweisen hat an eigener Tugend, Kraft und Herrlichkeit und die alsbald von ihrem angematen Thron gestoen wird und gestoen werden mu, wenn sie selbst den Prunkmantel gttlicher Majestt um ihre ach so schwachen Schultern legen will. Es gehrt zu der Demut, die ihrer Niedrigkeit geziemt, da sie bei aller Lebendigkeit und Gegenwrtigkeit ihres Zeugnisses an die Welt sich an die den Vtern gegebenen Verheiungen klammert und, wie Maria selbst, ihren Lobgesang mit den Worten der Vter, und in diesem Fall mit den Worten der Mutter des Herrn, vor Gott bringt; in solchem Lobgesang ffnet sich der Raum, wo Gott sich ausgesprochen hat und wo sein gndiges Ansehen, seine Verheiung und sein wunderbares Tun wahrgenommen, verstanden und gepriesen wird.
(Evangelische Jahresbriefe 1962, S. 2-7)

2. Das Benedicite (Der Gesang der drei Mnner im Feuerofen)

Das nach dem legendren Propheten Daniel genannte Buch gehrt zu den sptesten Schriften des Alten Testamentes und ist, wie die darin enthaltenen persischen und griechischen Wrter beweisen, erst in der griechischen Zeit, nach allgemeiner Annahme etwa im Jahr 167 v. Chr. Geburt geschrieben worden. Das dritte Kapitel enthlt die Geschichte von dem groen Bild, das der Knig Nebukadnezar im Tal Dura errichten lie und fr das er von allen Untertanen gttliche Verehrung verlangte, und von den drei hebrischen Mnnern - sie heien Hananja, Misael und Asarja, mit ihren chaldischen Namen Sadrach, Mesach und Abed-Nego -, die sich diesem kniglichen Befehl widersetzten und darum in den glhenden Ofen geworfen und daraus wunderbar errettet wurden. In der griechischen bersetzung, der sogenannten Septuaginta, ist in diesem Kapitel zwischen den Versen 23 und 24 des hebrischen Textes ein lngerer Einschub enthalten, der dann auch in die abendlndische, von der Septuaginta abhngige lateinische bersetzung des Hieronymus, die sogenannte Vulgata, und damit in den Gebrauch der rmisch-katholischen Kirche bergegangen ist. Da Luther sich an die hebrische Textvorlage gehalten hat, erscheinen jene Stcke in unseren Bibeln als "Zustze zu Daniel Kap. 3" am Ende der Apokryphen. Der erste dieser Zustze ist das Gebet Asarjas, der zweite "der Gesang der drei Mnner im Feuerofen". Dieser letztere Lobgesang wird nach dem ersten Wort des in der rmischen Kirche gebruchlichen lateinischen Textes das Benedicite genannt und ist schon frhzeitig, zum Beispiel in der gallikanischen und der mozarabischen Liturgie, als festes liturgisches Stck berliefert. In den Gottesdienstordnungen der reformatorischen Kirchen gehrt der "Gesang der drei Mnner" zwar nicht wie die drei lukanischen Cantica (die in den anderen Heften dieses Jahrgangs ausgelegt werden), zu den festen Bestandteilen des tglichen Gebetsgottesdienstes, aber er wird trotz seines apokryphen Ursprungs gerne an bestimmten Tagen oder Anlssen als ein besonders festlicher Lobgesang gebraucht.

Denn dieses Benedicite ist in der Tat ein groartiger Hymnus, der nach dem Vorbild von Psalm 148 in grandioser Weite den ganzen Kosmos in den Lobpreis Gottes mit einbezieht und die Elemente der ueren Welt aufruft: "Lobet den Herrn, preiset und rhmet ihn ewiglich!" Weil Gott alles geschaffen hat zu seiner Ehre, erfllen "alle seine Werke" den Sinn ihres Daseins, indem sie, jedes in seiner Weise und in seiner Sprache, einstimmen in diesen groen, Himmel und Erde erfllenden Lobpreis des Schpfers. Mit wenigen Ausnahmen werden (von Vers 41 an) diese Werke paarweise angeredet und dabei im allgemeinen verwandte Erscheinungen, Sonne und Mond, Regen und Tau, Feuer und Hitze, Eis und Frost, Berge und Hgel, seltener gegenstzliche Potenzen wie Tag und Nacht, Licht und Finsternis in einer Verszeile zusammengefat.

In welchem Sinn knnen die Kreaturen, die wir berheblich die "unvernnftigen Kreaturen" nennen, Gott loben, preisen und rhmen? Sie haben keine andere Stimme als die ihres Seins, und sie loben Gott nicht anders, als da sie das ganz und gar sind, was sie nach ihrer kreatrlichen Anlage sein mssen. Es kann keinen Neid und keine Konkurrenz unter ihnen geben, da sie nicht teilhaben an dem frevelhaften Verlangen, das von Adam her als ein Fluch auf dem Menschengeschlecht lastet, dem Verlangen, die Grenzen des eigenen Seins zu berspringen. Luther schreibt in der Auslegung des Magnificat: "Ein Vogel singt und ist frhlich in dem, das er kann, und murrt nicht, da er nicht reden kann. Ein Hund springt frhlich und ist zufrieden, obgleich er nicht vernnftig ist. Alle Tiere lassen sich begngen und dienen Gott mit Liebe und Loben; nur das schalkhafte, eigenntzige Auge des Menschen ist 'unsttig' und ist doch nicht geschickt dazu, da es mchte voll werden, um seines Undanks und Hochmuts willen." Aber whrend Luther hier nur an die Tiere denkt, will jenes Benedicite auch die Elemente des irdischen und des auerirdischen Kosmos zu einem vieltausendstimmigen Lobgesang zusammenschlieen, auch Meer- und Wasserstrme, bis hin zu den Sternen am Himmel. Dabei ist es besonderer Beachtung wrdig, da der Dichter, dieses Psalms keinen Unterschied macht zwischen dem, was vom Menschen her gesehen angenehm, schn und ntzlich ist, und jener anderen Seite der geschaffenen Welt, aus der die schrecklichen zerstrerischen Krfte uns bedrohen: Schlossen und Hagel, Eis und Frost, Reif und Schnee, Blitz und Wolken: Lobet den Herrn, preiset und rhmet ihn ewiglich. Sie loben den Schpfer, indem sie ihrem Wesen gehorsam Furcht erregen, Leben bedrohen und Leben zerstren, und also ausrichten, wozu sie geschaffen sind.

Wenn Hans Urner in seinem Buch "Gottes Wort und unsere Predigt" unterscheidet zwischen der "Stimme" Gottes, die auch in auerbiblischen Naturerfahrungen vernehmbar wird, und seinem "Wort" als dem Trger seiner Offenbarungen, so entsprechen gewi die Lobgesnge, die Eis und Frost, Schlossen und Hagel, Sturmwinde und Meeresungeheuer Gott darbringen, jener Stimme mehr als dem Wort Gottes; aber es wre sicherlich falsch, nur von dem Wort Gottes zu reden, ohne auf jene gewaltigen und unheimlichen Stimmen zu hren.

Leider lt sich in der deutschen bersetzung die sehr ausdrucksvolle Wortstellung des griechischen Textes nicht wohl nachahmen; es ist Vers fr Vers das Verbum vorangestellt und dadurch werden alle einzelnen Anreden aufs engste zusammengeschlossen: "Lobet, Eis und Frost, den Herrn!"
Aber dieser kosmische Lobgesang kann nur recht verstanden werden in seiner eigentmlichen Umrahmung. Das Lob, das die drei Mnner anstimmen, gilt dem Gott der Vter und seinem herrlichen und heiligen Namen, also dem Gott, der sich in der Geschichte geoffenbart hat, deren Erben wir sind; er gilt Gott in seinem heiligen herrlichen Tempel und zugleich dem Gott, der ber den Cherubim thront (Vers 30f.) und nachdem alle Kreaturen, wie sie der Beter kennt, aufgerufen sind, ihren Lobgesang darzubringen, wendet sich der groe Appell doch zuletzt an die Menschenkinder, weil sie allein diesem Gotteslob Ausdruck und Stimme geben knnen. Freilich sollte man keine tiefsinnigen Gedanken suchen in der Reihenfolge, in der dann bestimmte Gruppen unter den Menschen aufgefordert werden, in dieses Gotteslob einzustimmen; immerhin, man mge sich einmal vergegenwrtigen, da zuerst (Vers 59) das Volk Gottes als Ganzes, danach (Vers 60 f.) die Priester und alle, die in einer spezifischen Weise "Knechte des Herrn" zu sein berufen sind, aufgerufen werden; danach (Vers 62 f.) die Geister und Seelen der Gerechten, die Heiligen, so elend und betrbt sind. Ganz zuletzt erst wird offenbar, warum ein solcher weltumspannender Hymnus den drei Mnnern im Feuerofen Hanaja, Asarja und Misael in den Mund gelegt ist; sie hat Gott errettet aus dem glhenden Ofen, er hat sie mitten im Tod erhalten und damit an ihnen sein opus proprium getan, Leben zu erhalten und aus dem Tode zu retten.

Darum gebrauchen wir diesen Gesang der drei Mnner mit besonderer Vorliebe zur sterlichen Zeit, in der wir die Kraft Gottes preisen, mit der er Christus erweckt hat aus dem Tode und mit der er uns, wie wir hoffen und glauben, befreien wird aus den Banden des Todes, in denen wir gefangen liegen. Man kann diesen groen Lobgesang nicht allzuoft singen und beten, nicht nur wegen seiner Lnge, sondern weil die kosmische Weite dieses Gebetes das Gefngnis unseres kleinen, eigenen Lebens allzu empfindlich sprengt. Aber wenn wir "das hohe Fest mit Herzensfreud' und Wonne feiern" und dann auch jene Osterlieder singen, in denen die Erde und alle Kreaturen aufgerufen werden, sich an diesem Tag mit zu freuen, dann kann der sterliche Jubel auch einmal wieder sich in dieses sehr festliche Gewand des Benedicite kleiden.

Vielleicht ist es hilfreich, ein paar Worte ber die rechte Ausfhrung beizufgen. Die berhaupt fragwrdige Gewohnheit, die Psalmen im versweisen Wechsel zwischen zwei Chren zu singen, ist bei diesem Lobgesang offenbar gnzlich unpassend. Vielmehr mu dafr eine andere Form, hnlich wie bei unseren Litaneien gefunden und praktiziert werden; das heit, es sollte ein Vorsnger (oder eine ganz kleine Gruppe gleicher und gut zusammenklingender Stimmen) jeweils die wechselnden Anreden vortragen und die ganze Gemeinde, ohne Teilung in zwei Chre, mit der gleichbleibenden Aufforderung "Preiset und rhmet Ihn ewiglich" antworten. Wenn dafr einer der herkmmlichen Psalmtne verwendet werden soll, dann kme in erster Linie der V. Ton oder VIII c in Betracht; doch mten vielleicht fr den rechten Gebrauch dieses reichen und beschwingten Lobgesangs neue musikalische Formen gefunden werden.
(Evangelische Jahresbriefe 1962, S. 50-53)

3. Das Benediktus (Der Lobgesang des Zacharias)

Das 1. Kapitel des Lukas-Evangeliums enthlt neben dem Lobgesang der Jungfrau Maria, dem Magnifikat (vgl. dessen Auslegung im Weihnachtsheft dieses Jahrgangs), den Lobgesang des Zacharias, nach dem ersten Wort des lateinischen Textes das Benediktus genannt (Luk. 1, 68-79). Es ist anzunehmen, da auch dieser Lobgesang ebenso wie das Magnifikat eine ltere Dichtung nach dem Vorbild der alttestamentlichen Psalmen ist, die nicht nur dem Vater des Johannes in den Mund gelegt wird, sondern auch auf die besondere Situation bei der Geburt des Johannes bezogen wurde. Der vorangehende Vers (67) sagt ausdrcklich (und zwar mit den gleichen Worten, die vorher, Vers 41, mit Bezug auf den Gru Elisabeths an Maria gebraucht worden sind), da Zacharias zu diesem seinem Lobpreis Gottes vom Heiligen Geist inspiriert wurde und mit seinem Lied "weissagte", das heit aus verborgener Tiefe heraus etwas aussprach, was in seinem Sinngehalt hinausging ber das, was er selbst in dieser Stunde bedenken und verstehen konnte; eine solche "Prophetie" ist gewi ein Kennzeichen jedes echten vom Geist Gottes eingegebenen Lobgesangs.

Der Lobgesang des Zacharias ist in der Ordnung des kirchlichen Gebetsgottesdienstes dem "Morgenlob" zugeordnet und wird wenigstens in der festlichen Form des Morgengebetes regelmig gesungen; die Vermutung liegt nahe, da dazu Vers 78 Anla gegeben hat, worin fr das kommende Heil das Bild eines aufgehenden Gestirns gebraucht wird; tiefer als diese etwas uerliche Anknpfung wrde der Gedanke greifen, da dieser Lobgesang sozusagen in der Morgenfrhe des mit der Erscheinung Christi anhebenden neuen Weltentages gesungen ist, was freilich auf den Lobgesang der Jungfrau Maria, das Magnifikat, im gleichen Ma zutrifft; alle solche Deutungen vermgen nicht gnzlich zu verdecken, da jeder Zuordnung solcher biblischer Stcke zu bestimmten Gebetszeiten stets ein Moment der Willkr anhaftet, das durch tiefsinnige Begrndungen nicht aufgehoben werden kann.

Formal ist zu sagen, da dieser Hymnus sprachlich einige Schwierigkeiten bietet; vor allem ist, zumal in der deutschen Sprache, ein so kompliziertes Satzgefge (Vers 68 - 75 bilden einen einzigen Satz!) schwer durchschaubar und sollte darum in eine Reihe kurzer Stze aufgelst werden, wie wir das in unseren "Psalmgebeten" getan haben, um den mitbetenden Vollzug zu erleichtern. (Es ist nicht recht einzusehen, warum das in der revidierten Fassung des Luthertextes, 1956, nicht auch geschehen ist.) Eine weitere Schwierigkeit fr den liturgischen Gebrauch bildet die Anrede an das neugeborene "Kindlein" (Johannes) in Vers 78; die allegorische Deutung dieses Kindleins auf den eben angebrochenen jungen Tag ist eine geistreiche Spielerei, an der wir keinen Geschmack gewinnen knnen; wir haben in unserer Bearbeitung des Benediktus in unseren "Psalmgebeten" darum diese Anrede durch eine Betrachtung ber den Dienst des Propheten (im weitesten Sinn dieses Wortes) ersetzt: "Siehe, der Prophet des Hchsten geht her vor dem Herrn . . ." Zu solchen nderungen mu man sich die Freiheit nehmen, da, wo der liturgische Gebrauch eines biblischen Textes zu einem unnatrlichen und gesetzlichen Krampf zu werden droht.

Auf der anderen Seite ist es fr den liturgischen Gebrauch hilfreich, wenn man sich vorher ber den Inhalt dieses komplizierten Gedankengefges Rechenschaft gibt, damit die Zusammenhnge dann auch whrenddes betenden Vollzugs gegenwrtig bleiben. Eben diesem Versuch dient die folgende Auslegung.

Mit den beiden ,anderen groen Lobgesngen, dem Magnifikat und dem Gesang der drei Mnner im Feuerofen, hat der Lobgesang des Zacharias dieses gemein, da das Wort des Lobpreises euloget&oacute;s, benedictus Dominus deus Israel an der Spitze steht; daran schliet sich sofort Grund und Inhalt dieses Lobpreises: Gott hat sein Volk "erlst". Da der Mensch der Erlsung bedarf, ist die Einsicht in die tiefe und ausweglose Not, die nicht nur die Lage des Gottesvolkes, sondern die Lage des Menschen berhaupt kennzeichnet, jenseits aller optimistischen Illusionen ber die menschlichen Mglichkeiten; und da Gott uns "eine Erlsung schafft", ist ebenso der Ausdruck fr den Radikalismus der gttlichen Hilfe, welche den Menschen "nicht nur repariert, sondern heilt" (Max Picard). Immer stt dieses Wort "Erlsung" mit seinem ganzen Gewicht an die beiden Grenzen der Gefhrdung und der Rettung, des Verderbens und des Heils.

Von dieser Erlsung, um derentwillen Gott gelobt und gepriesen wird, redet dieser Hymnus nun zunchst in mehreren Bildern. Das Wort, das Luther hier und an anderen Stellen mit "heimsuchen" wiedergegeben hat, bedeutet eigentlich: "nach jemandem sehen"; das kann nun ebenso den Sinn einer Aufsicht annehmen (es ist der gleiche Wortstamm, von dem episkopos abgeleitet ist) wie auch, und war zumeist, den Sinn des frsorglichen Besuches; das Wort -deutet auf jenen "Gnadenanblick", jenes gndige Anschauen, durch das der Mensch gerettet fand erwhlt wird (Luk. 1, 48). Weit schwerer ist fr uns das Bild von dem "Horn" als Zeichen der wehrhaften Strke in seiner Anwendung auf die Heil-schaffende Macht Gottes vollziehbar, und es sollte darum wohl ebenso hier wie in den Psalmen (18, 3; 132, 17) besser durch das Wort "Macht" ersetzt werden, weil das Wort "Horn" nur allzuleicht Assoziationen weckt, die in eine ganz andere Richtung gehen. - Das entscheidende Wort in der Beschreibung der Erlsung ist das gttliche Erbarmen (eleos - Vers 72, hier auch mit dem gleichen Verbum wie Vers 68 verbunden; vgl. Vers 78); dieses rettende Erbarmen Gottes will aber erkannt werden, und erst in der Erkenntnis (das spter so sehr umstrittene Wort gnosis ist hier, Vers 77, hnlich wie Eph. 3,19 positiv gebraucht) vollendet sich die durch die gttliche Heimsuchung in Gang gebrachte Bewegung. Der Lobpreis Gottes ist der Ausdruck dieser "Erkenntnis des Heils".

Es verdient aber besondere Beachtung, da dieses Wort von der Erkenntnis mit dem anderen Wort von der Vergebung der Snden in die engste Nachbarschaft gerckt ist, ja da die Prposition "in" wohl auf einen unauflslichen Zusammenhang hinweisen soll: Heil und Heilserkenntnis gibt es nur in der Weise, da,der Mensch in seiner Snde die vergebende Liebe Gottes erfhrt, weil nichts so sehr die Kraft tiefer Erkenntnis, der Erkenntnis Gottes, lhmt und verdunkelt wie die unerkannte und unvergebene Snde.

Dieses alles vermag kein Mensch sich selber zu geben oder in sich selber zu erzeugen; es wird "erweckt" (im Sinn von "ins Dasein gerufen"; Vers 69) durch das "herzliche Erbarmen" Gottes (Vers 78), und eben darum, nicht etwa nur um seiner Allmacht und der Wunder der ueren Natur willen, ist Gott hoch zu preisen.

Dieser Lobpreis gilt einer Geschichte, die in der Geburt des Johannes ihren Anfang genommen hat. Aber diese Geschichte hat eine Vorgeschichte, in der sie sich vorbereitet und sozusagen die ersten Strahlen der Morgenrte des jetzt anbrechenden Tages vorausgeschickt hat, und sie hat eine Nachgeschichte, in der sich Ziel und Absicht dieser gttlichen Heimsuchung verwirklichen wollen.

Zu dieser Vorgeschichte gehrt der Bund Gottes mit Abraham als dem Vater der Glaubenden (vgl. Luk. 1, 55 und Hebr. 11), gehrt die Verheiung, die den Vtern gegeben und feierlichst bekrftigt ist, und das "Haus David" als der geschichtliche Raum, in den Gottes Heil-schaffendes Handeln an der ganzen Welt eingebettet ist, und darum auch die Stimmen der Propheten, in denen es wetterleuchtet von dieser unheimlichen und zugleich gnadenreichen Geschichte Gottes mit der Menschheit. Wenn Gott dieser seiner Verheiungen "gedenkt" (Vers 72), so ist das niemals, wie unsere entleerte Sprache glauben machen mchte, eine bloe Erinnerung an ein vergangenes Geschehen, sondern in diesem "Gedenken" wird die Vergangenheit gegenwrtig und das Vorlufige kommt zu seiner Vollendung.

Diese Vorlufigkeit der prophetischen Rede ist in besonderer Weise verkrpert in der Gestalt des Johannes; er ist Vorlufer in dem ganz positiven Sinngehalt dieses Wortes, indem er in den Herzen seiner Jnger dem kommenden Herrn den Weg bereitet (Vers 76); aber auch "vorlufig" in der strengen Begrenzung und Selbstbescheidung, die dieses Wort anzeigt: Was vorlufig ist, weist ber sich selbst hinaus. Weil es nicht sinnvoll wre, bei der Verwendung dieses Lobgesangs im tglichen Gebet der Kirche das Kindlein Johannes anzureden (diese Form beizubehalten ist mir immer als ein fast komisches Beispiel eines gesetzlichen Biblizismus erschienen), sprechen wir lieber allgemein und umfassend von dem Propheten des Hchsten und denken dabei auch und vor allem an das prophetische Amt der Kirche selbst. Denn auch die Kirche Jesu Christi bleibt in dieser Vorlufigkeit, die ber sich selbst hinausweist auf eine Erfllung, welche herbeizufhren auerhalb der Grenzen menschlicher Macht und Mglichkeiten liegt. Das Johannes-Wort "Er mu wachsen, ich aber mu abnehmen" gilt nicht nur, wie es Augustin ausgefhrt hat, von allen natrlichen Gren, sondern es gilt auch von der christlichen Kirche selbst in all ihren geschichtlichen Erscheinungsformen; und nur in dieser Anwendung auf das prophetische Amt der Kirche fgt sich, wie mir scheint, dieser schwierige Vers 76 wirklich in den liturgischen Gebrauch dieses Lobgesangs ein.

Um so greres Gewicht freilich empfngt das, was wir die "Nachgeschichte" dieser gttlichen Heimsuchung genannt haben, und was wir vielleicht besser als die gttliche Absicht bezeichnen sollten, die sich an uns und durch uns verwirklichen will.

Nach der wahrscheinlichen Lesart (abweichend von dem Text, der Luthers bersetzung zugrunde liegt) kehrt in Vers 78 das gleiche Verbum, das in Vers 68 ein geschichtliches Ereignis bezeichnet, in futurischer Form wieder: Gott will und wird uns heimsuchen; die Heimsuchung Gottes ist noch nicht an ihr Ende und an ihr Ziel gelangt. Aber diese uns noch verheiene "Heimsuchung" wird hier in einem merkwrdigen Bilde beschrieben als der "Anfang aus der Hhe", als ein Gestirn also, das nicht im Wechsel von Tag und Nacht aus dem Horizont aufsteigt, sondern selbst aus der Hhe, jenseits dieses irdischen und kosmischen Kreislaufs stammt. Knorr von Rosenroth hat es also, vielleicht unbewut, gerade richtig gemacht, als er den Ausdruck "Aufgang aus der Hh'" in die eschatologischen Schluverse seines Liedes vom "Morgenglanz der Ewigkeit" einfgte. (Ein Grund mehr freilich, dieses Lied nicht nach den ersten Strophen abzubrechen, sondern es uerlich und innerlich als ein Ganzes aufzunehmen.) Dieser "Morgenglanz der Ewigkeit" will dann - immer wieder! - denen "erscheinen", die in der Nachtzeit dieser Welt, in der Schattenwelt des Todes gefangen sind; in allem Dunkel um das Licht dieser Erscheinung zu wissen, ist das Wesen einer echten Prophetie, und die gttliche Heimsuchung erweckt in uns die Bewegung, mit der wir uns aus der Todeswelt diesem Licht entgegenstrecken. Sie "richtet unsere Fe auf den Weg des Heils", whrend wir noch verzweifelt auf den staubigen Straen des Unheils uns mde laufen.

Wenn bei der Beschreibung der gttlichen Verheiung davon die Rede ist (Vers 71), da wir befreit werden aus der Hand unserer Feinde, so ist uns gewi erlaubt, bei solchen Worten auch an unsere Brder zu denken, die in besonderer Weise unter dem Tyrannen leben und leiden unter der Gewalt von Menschen; aber wird nicht an ihnen nur besonders erschtternd sichtbar die Lage, in der wir alle uns mehr oder weniger befinden, die peinvolle Einsamkeit unter Menschen, mit denen wir in keiner uns gemeinsam verpflichtenden Wahrheit verbunden sind, die qualvolle Abhngigkeit von einer uerlichen und mehr noch innerlichen Lebensform, der sich niemand vllig entziehen kann und die wir doch nur als eine heillose Zerstrung des Menschlichen empfinden und verurteilen knnen. Im Unterschied von den messianischen Erwartungen Israels knnen wir freilich nicht hoffen, da diese Macht der Feinde, oder vielmehr "des bsen Feindes", jemals gnzlich' gebrochen und wir also aller solchen Tyrannei radikal entnommen werden knnten.

Vielmehr kann diese Befreiung, die uns mit der gndigen Heimsuchung Gottes in Jesus Christus angeboten und verheien ist, nur ganz innerlich verstanden werden als die Befreiung aus der Angst, als die berwindung der Furcht, und dieses ist nur die negative Seite dessen, worauf positiv Gottes Absicht mit uns zielt: da wir Ihm dienen ohne Furcht vor Menschen und ohne Angst um unser eigenes Leben. In dem Dienst Gottes, in dem Dienst der liebenden Verehrung und des freudigen Gehorsams, erfllt sich der Sinn unseres Menschseins.

Es heit im Urtext "an allen Tagen"; und das besagt mehr als das umfassende "unser Leben lang"; denn gerade dieses will und mu tglich neu an uns geschehen, da uns nicht nur die Strahlen der Morgensonne, sondern der Aufgang aus der Hhe besuchen, da wir befreit werden von aller - ach, so begreiflichen - Menschenfurcht und frei werden zum Dienst; da unsere Fe sichere Tritte tun. Und es hat also doch sein tiefes Recht und seinen guten Grund, da wir immer wieder mit diesem Lobgesang in den Tag hineingehen, mit diesem Lobgesang, in dem zwar der Name Jesus Christus nicht genannt wird, in dem aber doch alle Bilder um das eine Bild von Christus als dem Aufgang aus der Hhe kreisen, der uns, die wir in Finsternis und Todesschatten sitzen, erschienen ist und erscheinen will, um unsere Fe auf den Weg des Heils zu richten.
(Evangelische Jahresbriefe 1962, S. 99-103)

4. Das Nunc dimittis (Der Lobgesang Simeons)

Der griechische Text dieses Lobgesangs stellt nicht die Anrede "Herr", sondern das "nun" dieses entscheidenden Augenblicks an die Spitze. Denn dieser Lobgesang hat es in besonderer Weise mit der Zeit zu tun, genauer gesagt: mit einer Zeitenwende, in der ein Altes zu Ende geht und ein Neues anhebt. Freilich, die Zeiten sind so ineinander verzahnt, da das Neue in dem Alten vorbereitet, verheien und erwartet ist. Aber eben dieses, da die Verheiung nun erfllt ist und der Wartende das "sieht", worauf er gewartet hat, ist ein wirklicher Einschnitt, in dem das Vergehende und das Kommende, Tod und Leben sich berhren.

Man hat zu verschiedenen Zeiten die Jahre gezhlt "ab urbe condita", von der Grndung Roms, oder vom Beginn einer Revolution, von der man eine vllige Vernderung aller Weltverhltnisse erwartete; wir zhlen die Jahre nach Christi Geburt, und wer sich scheut, selbst in dieser Zeitangabe dem Namen Christi eine solche Bedeutung beizumessen, und es daher vorzieht, scheinbar formal und nichtssagend von den Jahren nach der Zeitwende zu sprechen, drckt damit, vielleicht unbewut und ungewollt, eben dieses aus, da mit der Geburt dieses Kindes wirklich die Mitte und Wende der Zeiten geschehen ist, so da es sinnvoll ist, den Ablauf der Zeiten in Jahre vor oder nach der Geburt Christi, ante Christum und post Christum zu teilen. Das "Nun", mit dem der alte Simeon seinen Lobgesang anhebt, steht wirklich auf der Schwelle und tritt aus einem Weltzeitenraum in einen anderen.

Denn nun ist das "Heil", auf das Gottes Ratschlu von Urbeginn bedacht war, in einer Weise, die bisher nicht mglich war, in der Wirklichkeit dieser Welt gegenwrtig geworden, nmlich in einer leibhaften und sichtbaren Gestalt. Denn Simeon, dessen Leben ganz erfllt gewesen war von dem Warten auf den seinem Volk verheienen Trost, erkannte kraft inspirierter Hellsichtigkeit in dem Kinde, das von seinen Eltern in den Tempel gebracht wurde und an dem "nichts besonderes zu sehen war", den Anbruch der Heilszeit, auf die er all sein Leben lang geduldig und getrost gewartet hatte. (Es heit im griechischen Text nicht nur, da er "auf Anregen des Geistes" in den Tempel kam, sondern der Ausdruck "im Geist" weist deutlich hin auf jenen auerordentlichen Zustand, in dem die Grenze des normalen Tagesbewutseins gesprengt und darum auch eine auerordentliche Erkenntnismglichkeit erschlossen ist.) Indem er dieses Kind mit Augen sieht und auf seinen Armen hlt, ist er in eine nie gekannte Nhe zum "Heil" verpflanzt, und eben diese Wende seines Lebens, die zugleich die Wende der Welt ist, legt ihm das Loblied auf die Lippen (Luk. 2, 29-32).

Luther hat in keinem Stadium seiner Bibelbersetzung Bedenken getragen, die auch im Lateinischen beibehaltene neutrische Form (salutare tuum) des griechischen Textes ("Dein Heil") mit der personalen Form "Deinen Heiland" zu vertauschen (hnlich wie in der Antiphon des vierten Adventsonntags aus Jes. 45, 8 schon die alte griechische bersetzung sinngem von dem Gerechten, statt von Gerechtigkeit, und von dem Heiland, statt vom Heil, geredet hat), und er fhlte sich zu dieser nderung ja wohl auch deswegen befugt, weil Simeon in dem neugeborenen Kinde wirklich das Heil in persona, den Heiland, sehen und auf den Armen halten durfte. Indes scheint mir die zurckhaltende Redeweise des Urtextes doch sehr der Beachtung wert. Denn die merkwrdige Ausdrucksweise "meine Augen haben Dein Heil gesehen" schliet in sich ja gerade dieses Geheimnis, da das seinem Wesen nach Verborgene nun erschienen ist und mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann, obwohl es an und in diesem Kinde mit leiblichen Augen eben nicht wahrgenommen werden kann; und umgekehrt knnte die Ausdrucksweise, "meine Augen haben Deinen Heiland gesehen" die Gefahr in sich schlieen, da wir mit einer allzugroen Vertraulichkeit von unserer persnlichen Nhe zu dem "lieben Heiland" sprechen knnten.

Denn das, was Simeon alsbald von diesem "Heil" aussagt (Vers 31 f.), geht weit hinaus ber das, was seine "Augen" in diesem Augenblick zu sehen vermgen. Denn das Heil, das jetzt erschienen ist, hat Gott dazu bestimmt und bereitet, allen Vlkern vor Augen zu stehen. Wenn dieser Ausdruck ("ins Angesicht") vielleicht im Sinn einer gewissen Gegenstzlichkeit verstanden werden kann (hnlich wie Ps. 23, 5), macht der folgende Vers vielmehr deutlich, da dieses Heil berufen ist, als Licht die Finsternis der Vlkerwelt durch die Offenbarung des verborgenen Gottes zu erleuchten (so etwa mu man Vers 32 wohl umschreiben). Es ist immer milich, von "Heiden" zu sprechen; denn nur allzuleicht verbindet sich mit diesem Wort eine konventionelle Vorstellung von den "armen Heiden", die auf die Belehrung durch die Predigt der christlichen Mission angewiesen sind. Der Vers enthllt seine weltumfassende Tragweite erst dann, wenn wir unter den Heiden auch alle Menschen verstehen, die fern von der befreienden Wahrheit, in menschlicher Selbstsicherheit und Selbstherrlichkeit, vertrauend auf die groen, dem Menschen gegebenen Mglichkeiten der Gestaltung ihres Lebens und der Welt, aber ohne gttliche Inspiration und also ohne Weisheit ihren Weg gehen, wenn wir also wissen, wie nahe wir diesen Heiden sind, und wie sehr wir selbst zu ihnen gehren. Unsere Sprache hat das Wort "Heidenangst" gebildet und will damit gewi nicht nur eine unheimliche Steigerung der Angst bezeichnen, sondern andeuten, da die Angst zu den Wesenszgen dieses und jedes Heidentums gehrt. Fern von Gott hat der Mensch Angst, und darum ist es heute die groe und kaum lsbare Frage, wie der Mensch von der ihn berallhin verfolgenden Angst befreit werden knnte. Eben darauf bezieht sich das Wort aus dem Lobgesang Simeons, da da, wo Gottes Heil erscheint und erkannt wird, der Krampf der Angst sich lst und das unruhige Herz befriedet wird.

Und damit wird dann das Volk Gottes verherrlicht (Vers 32b) als die Stelle in der Welt, wo das Heil gesehen und erkannt und damit Blindheit und Angst geheilt werden. (Das in vielen Bedeutungen schillernde Wort doxa ist hier doch wohl so zu deuten, da auf diesem Gottesvolk - des Neuen wie des Alten Bundes - dem wahren Israel, ein Glanz liegt, der in die Welt hinein ausstrahlt.)

Dieser kurze Lobgesang wird von dem Evangelisten Lukas als der Lobgesang des alten Simeon berliefert, der nun, da er in dem neugeborenen Kinde das Heil der Welt geschaut hat, im "Frieden" (aber das heit eben im Licht dieses Heils) ber die Schwelle des Todes gehen und "dahinfahren" darf. Insofern mit Recht ist Luthers Umdichtung dieses Hymnus (Mit Fried und Freud ich fahr dahin; EKG 310) unter die Sterbelieder eingereiht. Aber nur allzuleicht berschattet dieser Anfang den reichen Inhalt des ganzen Lobgesangs, den auch Luthers Lied in vier von den fnf Strophen entfaltet, und der durchaus Anla gibt, das Lied, wie es in den frheren Gesangbchern geschah, zu den Epiphaniasliedern zu zhlen. Diese Beziehung auf ein Ende, auf eine zu berschreitende Schwelle, ja die Wende der Zeiten, war nun freilich auch der Anla, den Lobgesang Simeons als festen Bestandteil in das tgliche Nachtgebet der Kirche, die "Komplet" (mit der der Tag und das Gebet des Tages vollendet wird), einzufgen. Es wrde dem tieferen Sinn dieses Lobgesangs nicht entsprechen, wenn wir bei diesem "im Frieden fahren" nur an die Ruhe der Nacht denken wollten, in die wir nun einzutauchen begehren; ganz gewi ist es zwar auch fr die Ruhe der Nacht und einen friedevollen Schlaf nicht unwichtig - wahrhaftig wichtiger als alle vielleicht ntzlichen chemischen "Schlafmittel" - ob wir im Frieden Gottes, im Bereich seines Heils leben und darin von aller heidnischen Sorge und Aufgeregtheit (Mattb. 6, 25. 321) geheilt sind; aber es wre doch unnatrlich und widersinnig, wenn wir uns etwa berlegen wollten, ob und in welcher Weise wir an diesem zu Ende gehenden Tag in besonderer Weise "den Heiland gesehen" haben. Es ist darum richtiger, darauf zu achten, da dieses Nacht-Gebet zu allen Zeiten der Kirche als eine tgliche Vorbereitung auf die Todesstunde, als eine Einbung des Sterbens verstanden und gebt worden ist. Denn wir werden jene Schwelle, an der die Wende aller Zeiten in unser eigenes Leben sprbar eingreift, nur dann getrost und im Frieden berschreiten, wenn wir das Heil Gottes gesehen, erkannt und angenommen haben, wenn wir selbst als die Gott-fernen Heiden uns von diesem Licht haben erleuchten lassen und teilgenommen haben an der Enthllung des Verborgenen. Dann freilich ist das "Nun", das am Beginn dieses Lobgesangs laut wird, nicht das Jetzt der Stunde, in der wir dieses Gebet wiederholen, die Abendstunde dieses Tages, sondern es ist das "gttliche Nun", die Wende der Zeiten, in der mit dem Heiland das Heil uns und aller Welt nahegekommen ist, und es ist allerdings die groe Frage fr Leben und Sterben, darum auch die Frage jedes Abends, an dem ein Tag zu Ende geht, ob wir das Heil Gottes erkannt haben und dadurch erleuchtet, getrstet und befriedet worden sind.
(Evangelische Jahresbriefe 1962, S. 147-149)

Quelle: www.quatember.de
