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Inhalt 1934 |
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Maria |
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Wie ferne ist es unsrem protestantischen Herzen gerückt, der Mutter des Heilandes zu gedenken! Wir singen zwar von Maria der reine Magd; aber unsre Gesangbücher sind Zeugen, wie ängstlich unsre Kirche selbst die Strophen meidet, die wirklich von Jesus singen und Maria. Wohin ist die Süßigkeit entschwunden, die himmlische Anmut, die kindlich-überirdische Freude, die die Meister unserer Altäre in das Angesicht der Maria gemalt haben? Wundern wir uns nicht beinahe, daß die Worte auch in "unserer" Bibel stehen, die die Lippen unserer katholischen Mitchristen zu wiederholen nicht müde werden:
Glauben ist keine Tugend. Es ward gesandt der Engel Gabriel zu Maria nach Nazareth. Alte Bilder von der Verkündigung schwelgen förmlich darin, die Herrlichkeit und göttliche Majestät dieses Engels auszumalen: die gewaltigen glänzenden Fittiche, die rauschend den Raum erfüllen, die kunstvoll sich breitenden Falten prächtigen Gewandes, die den Boden überfließen, so daß kaum mehr Raum bleibt für ein armes Menschenkind, neben solcher Erscheinung zu existieren. Und Maria erschrak. Wie sollte auch ein Mensch nicht erschrecken, wenn der Bote des Himmelsherrrn einbricht gleich einer sengenden Sonne, in die Kammer unsres Daseins? Gibt es ein Glauben, dem niemals dieses Ungeheure widerfahren ist? Das niemals erschrecken mußte bis auf den Grund der Seele? "Weh mir, ich vergehe!" "Wie mag solches zugehen?" Weiß der Glaube jemals, wie "es" zugeht? Reißt nicht das Glauben den Glaubenden empor ins Grenzenlose und Unfaßbare, jenseits aller verständlichen Zusammenhänge? "Über die Natur". Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie Du gesagt hast. Maria bekennt ihre Niedrigkeit. Sie "macht" nichts aus sich; sie steht nicht auf der Sichel des Mondes, und sie hat nicht den Strahlenkranz der Himmelskönigin um ihr Haupt. Wie ernstlich hat Luther eben diese humilitas als Marias Art und Wesen gerühmt! Aber er rühmt ebenso sehr das andere, daß Maria nun nicht etwa in ihre Armut und Geringigkeit starrt, in ihrer Niedrigkeit befangen bleibt, oder gar ihre Bescheidenheit als heimliche Tugend herausstellt. Wie leicht werden wir verführt, aus unsrem Nicht-Können, unsrem Nicht-Sein ein neues Schmuckstück zu machen und mit den demütigsten Bekenntnissen ein neues Pharisäertum aufzurichten! "Mir geschehe, wie Du gesagt hast!" Sie sagt nicht: Nein, denn ich . . . Sie sagt nicht: Ja, aber ich . . . Sie sagt auch nicht : Ja, und ich will . . . Sondern sie sagt einfältig: Mir geschehe, wie Du gesagt hast! Glauben, das ist: geschehen lassen. "Dir uns lassen ganz und gar!" Nicht dreinreden mit theologischem oder anderem Eigensinn! Nicht verderben durch Ungeduld und Machen! Nicht hemmen durch falsche Demut! Was geht es uns an, wenn Gott wirklich an uns kümmerlichen Menschen etwas ganz Großes vollbringen will? "Du hast Gnade gefunden" so sagt der Engel zu Maria. Sie hat keine Gnaden auszuteilen; sie ist nicht die Mutter der Barmherzigkeit. Aber sie ist eine Stammutter gläubiger Seelen. Denn sie hat Gnade gefunden und läßt die Gnade an sich geschehen. Glauben heißt Empfangen. Es gibt alte Verkündigungsbilder, auf denen dieses Empfangen in einer ganz kindlich naiven Weise dargestellt ist: Vom Engel geht ein Lichtglanz aus, und der schönste und hellste aller Strahlen trifft in Marias Schoß. Und der Bahn des Lichtstrahls folgend kommen die Worte der Engelsbotschaft zu Maria: Maria, gratia plena! Das "Wort", das eingeht in den Grund des Wesens, segnend, wandelnd, zeugend! "Hören", das ist nur ein armseliges und leicht entleertes Bild für dieses Empfangen: Das Wort ist der lebendige Samen, der zeugend unser Sein wandelt zur Stätte der neuen Geburt. So schreibt - nach Augustins Vorbild - Martin Luther, und er schreibt so, um die unaufhebbare Einheit des leiblichen und geistlichen Empfangens im Sakrament darzutun, Welche Weiten tun sich auf! Glauben, das heißt Ackerfurche werden, in die der Same gelegt wird, Ackerfurche, in der das Samenkorn eindringen, Wurzel schlagen und Frucht tragen kann. Warum sollen wir nicht das rechte und kühne Bild wagen: Glauben, das heißt der Mutterschoß werden, der das Leben - das L e b e n ! - empfängt und trägt und gebiert. Und wer dies Kind empfangen will, der muß darum leiden. Welche Wände müssen bersten, welche Riegel müssen gesprengt werden, welche Eispanzer müssen schmelzen, welche Todesängste und Todesnöte müssen erlitten sein, ehe wir bereit sind zu empfangen! "Jetzt ist die Stunde, da die Jungfrau den Sohn gebiert". So sprach die heilige Elisabeth - in der Stunde, da sie starb. Aber welche Mutter wäre n i c h t bereit zu sterben, wenn es darum geht, daß das Kind geboren wird! Denn die Kirche ist der Ort, wo geglaubt wird; der Ort - das ist das Gleiche! - wo Christus Gestalt gewinnen will in der Welt. Gott hat diesen "Ort" erkoren, nicht um der Tugenden dieser Kirche willen, - wer wollte mit leichtem Herzen von den Tugenden der Kirche reden? - sondern er hat "die Niedrigkeit seiner Magd angesehen". Aber weil Gott sie ansieht, darum ist sie der Ort, wo der Same sein Erdreich findet, der Ort, wo Christus geboren wird; der Schoß, aus dem die Kinder des Reichs geboren werden. "Sie ist die BrautDas Wort der Kirche ist darum nicht zuerst: Wir müssen. . . . .sondern: Ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie Du gesagt hast! Was ist zu sagen zum Lobe der Maria-Kirche? Nichts als dies, daß sie "empfangen" darf "von dem heiligen Geist". In der Schau des Offenbarungsbuches hat jede Gemeinde ihren "Engel", der ihr verkündigt, was ihr im Guten und im Schlimmen, zu Trost und Warnung gesagt werden soll. O selig bist du | |
| © Joachim Januschek Letzte Änderung: 00-07-28 Haftungsausschluss |